In der Lärmfalle

Immer mehr Starts und Landungen über Stadtteile im Hamburger Westen hinweg: Fluglärm wird zum Ärgernis.

Beschwerden über Fluglärm: Bürgerinitiative fordert Schutz für Bewohner im Hamburger Westen

Von wegen ruhiger Hamburger Westen: Immer mehr Bürger klagen über Lärm von startenden und landenden Flugzeugen. Das Elbe Wochenblatt sprach mit Klaus Wicher von der Initiative gegen Fluglärm (IFL).

Elbe Wochenblatt: Herr Wicher, Ihre Initiative organisiert seit knapp zwei Jahren Protest gegen Fluglärm im Hamburger Westen – hat sich in der Zwischenzeit etwas verbessert?
Klaus Wicher: Nein. Im Gegenteil: Die Störungen aus dem Flugverkehr haben nicht nachgelassen und viele Bürger sind zunehmend enttäuscht über die Untätigkeit der Politik. Offenbar wird kaum von den berechtigten Interessen der Bürger Kenntnis genommen!

EW: Es gab in Lurup eine öffentliche Anhörung der Kommission zum Fluglärmschutz ...
Wicher: Richtig. Die Initiative hat berichtet, dass es Fluglärm in vielen Stadtteilen im Westen Hamburgs gibt, die bisher davon verschont waren. Und dort, wo es Fluglärm gab, ist dieser jetzt häufiger und lauter. Geklagt wird auch über zunehmend niedriger fliegende Flugzeuge, die immensen Lärm verbreiten. Im Ergebnis wird ein optisches Messgerät zunächst in Lurup aufgestellt, um die Flugbewegungen genauer zu erfassen. Dies ist ein erster Erfolg für die Initiative. Allerdings sind wir der Meinung, dass sehr schnell weitere Schritte folgen müssen.

EW: Der Flughafen ist ein großer Arbeitgeber und wichtig für die norddeutsche Wirtschaft – das muss man einfach akzeptieren, oder?

Wicher: Ein Flughafen in der Stadt unterliegt besonderen Gesetzen. Es sind wirtschaftliche Interessen mit den Interessen der Bewohner und deren Grundrechten sehr genau abzuwägen. Dabei kann ein solcher Abwägungsprozess auch dazu führen, dass ein Flughafen verlagert werden oder sich Grenzen des Wachstums stellen muss. Die Interessen und die Gesundheit der betroffenen Menschen sind absolut schützenswerte Güter. Hierfür zu sorgen, ist vorrangige Aufgabe der Politik. Der Flughafen hat aus unserer Sicht schon längst die Grenzen eines erträglichen Wachstums überschritten.

EW: Wie werden Anwohner belästigt?

Wicher: Dort, wo es bis Ende 2013 praktisch keinen Fluglärm gab, wird heute oftmals täglich in kurzen Takten geflogen. In anderen Stadtteilen hat sich der Flug-lärm gegenüber früher deutlich verstärkt. Die betroffenen Bewohner klagen über sehr tieffliegende Flugzeuge, die viel mehr Lärm verbreiten. Nicht selten wird von morgens sechs Uhr bis nach 23 Uhr abends geflogen. Die betroffenen Bewohner können dem Lärm gar nicht mehr ausweichen.

Aktionen
Der Lärm von startenden und landenden Flugzeugen ist im gesamtem Hamburger Westen ein Ärgernis. Laut IFL ist es unter anderem in den Stadtteilen Blankenese, Nienstedten, Groß Flottbeck, Osdorf, Iserbrook, Lurup und Eidelstedt laut. Die Zahl der Beschwerden habe sich seit Ende 2013 vervielfacht.
Die IFL plant weitere Informationsveranstaltungen und Aktionen. Unter anderem sollen Direktkandidaten für den Bundestag im Vorfeld der Wahl 2017 zu ihren Positionen zu dem Thema befragt werden.
❱❱ www.baw-fluglaerm.de
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.