Immer weniger Sozialwohnungen

Saga-Häuser in Eidelstedt-Ost: Noch gelten hier günstige Mieten, aber nach und nach laufen diese Sonderkonditionen aus. Werden dann die Mieten deutlich erhöht? (Foto: cv)

Bei Hunderten Wohnungen laufen die günstigen Mieten aus – Neubauten sind kaum in Sicht

Carsten Vitt, Eidelstedt - Hunderte Haushalte sind in Eidelstedt noch vor Mietsteigerungen geschützt. Bei Sozialwohnungen sind preiswerte Mieten auf Jahrzehnte festgeschrieben, doch diese Verpflichtungen fallen nach und nach weg. Was passiert dann?
Derzeit gibt es in Eidelstedt noch etwa 2.170 Sozialwohnungen, die vorrangig an Langzeitarbeitslose, Geringverdiener oder Sozialhilfeempfänger vergeben werden. Beim städtischen Vermieter Saga/GWG werden derzeit im Schnitt 4,90 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter fällig. Laut Stadtentwick-lungsbehörde laufen aber in den kommenden Jahren bei Hunderten von Wohnungen im Stadtteil diese sogenannten Mietpreisbindungen aus: Ende 2013 bei 513 Wohnungen, 2014 bei 125 Wohnungen (Saga/GWG). 2015 und 2016 verlieren etwa 280 Einheiten die günstigen Konditionen, 2023 schließlich 1.101 Haushalte.
Anschließend können die Mieten alle drei Jahre um 20 Prozent erhöht werden. Saga/GWG, mit knapp 1.200 Wohnungen der größte Vermieter im Stadtteil, will nicht gleich und nicht in dieser Höhe zuschlagen. „Saga/GWG erhöht grundsätzlich in zwei Schritten von jeweils zehn Prozent pro Jahr, jedoch maximal 30 Euro pro Wohnung“, versichert Sprecher Michael Ahrens. Das städtische Unternehmen orientiere sich dabei am Mittelwert des Mietenspiegels. Erhöhungen seien auch nicht generell zu erwarten, sondern würden je nach Einzelfall für bestimmte Wohnblöcke abgewogen. Das heißt: Die Wohnungen in Eidelstedt können so günstig bleiben wie zuvor, müssen aber nicht. Bei privaten Vermietern ist eher damit zu rechnen, dass die Mieten steigen.
Siegmund Chychla vom Mieterverein zu Hamburg fordert, Erhöhungen zu deckeln. Auf Bundesebene wurde festgelegt, dass die Mieten alle vier Jahre um maximal 15 Prozent steigen dürfen. „Diese Regel muss auch in Hamburg flächendeckend gelten“, fordert Chychla. Das muss der Stadtstaat aber erst beschließen.

Hintergrund-Infos:
66 genehmigte Wohnungen
Das Dilemma: Bei immer mehr Sozialwohnungen laufen die günstigen Mietpreise aus, es werden kaum neue geförderte Wohnungen gebaut. Im Bezirk Eimsbüttel sind 2012 insgesamt 1.223 Wohnungen genehmigt worden, darunter waren lediglich 105 günstige geförderte Einheiten. Dieses Jahr wurden immerhin 66 Sozialwohnungen in Eidelstedt genehmigt.
Weiteres Problem: Laut Mieterverein zu Hamburg sind bei Neubauten die günstigen Mieten in der Regel nur auf 15 Jahre festgeschrieben, vor ein paar Jahren galten diese Mietgrenzen noch für 30 bis 40 Jahre. Siegmund Chychla: „Es muss auch in begehrten Vierteln günstiger Wohnraum erhalten und neu geschaffen werden, sonst drängen Bewohner, die sich dort ihre Wohnung nicht mehr leisten können, in die noch günstigen Randstadtteile.“
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.