Hörgensweg: Suche nach einem Kompromiss

Stadtplaner Kay Gätgens erläuterte das Bauvorhaben am Hörgensweg. Im Hintergrund: Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke (SPD). (Foto: rs)

Umstrittener Wohnungsbau: Bezirkspolitiker halbieren die Pläne

Von Reinhard Schwarz, Eidelstedt

Bis zu 800 Sozialwohnungen sollten es werden auf der Fläche am Hörgensweg, nun ist offenbar nur noch weniger als die Hälfte im Gespräch. Die Eimsbütteler SPD-Fraktion hält 350 Wohneinheiten für vertretbar, wohnen sollten in dem neuen Quartier dann etwa 1.400 Flüchtlinge.
Um überhaupt Wohnraum für Schutzsuchende in Eidelstedt zu schaffen, gehen die
Bezirkspolitiker mit den Zahlen runter. Es gab zu viel Gegenwind aus dem Stadtteil, um ein komplettes Quartier nur mit Flüchtlingen zu belegen. Zudem sind auch reguläre Wohnungen und Studentenapartments in der Diskussion.
Rückblende: Mitte vergangener Woche hatte das Bezirksamt Eimsbüttel zu einer Veranstaltung in die Julius-Leber-Stadtteilschule geladen, um über die Bebauungspläne zu informieren. Rund 500 Interessierte waren in die überfüllte Aula gekommen.
Stadtplaner Kay Gätgens nannte in seinem Vortrag noch die vom Senat vorgegebene Zahl von 600 bis 800 Wohneinheiten, in denen Schutzsuchende untergebracht werden sollen. Gätgens räumte aber auch ein, dass diese Zahl ein Richtwert sei. Er kündigte einen Workshop sowie ein „Fachkolloquium“ mit Bürgerbeteiligung an. Im Rahmen des „schnellen Bauens“ sollten zunächst 600 Wohnungen entstehen. Die Äußerungen von Behördenvertretern wurden teilweise mit Hohngelächter bedacht, aber es gab auch Lob für die Planer.
Viele Bürger befürchten vor allem, dass das Quartier am Hörgensweg „umkippen“ könnte. „Der Stadtteil ist zum sozialen Brennpunkt geworden“, rief eine Frau, die „bis Ende der 1990er-Jahre am Hörgensweg gelebt hatte“. Seit den 1980er-Jahren „wurde es immer schlimmer, von Jahr zu Jahr“. Eine Eidelstedterin forderte: „Ich möchte nicht, dass die Flüchtlinge nur unter ihresgleichen leben.“ Zum Ende der Debatte versuchte Verwaltungschef Torsten Sevecke (SPD) die Emotionen zu glätten: „Es geht hier nicht um Holzbauten oder Container, sondern um regulären Wohnungsbau mit einem hohen Energiestandard.“

Die Pläne
Am Hörgensweg in Eidelstedt-Nord soll ein neues Wohnquartier mit Sozialwohnungen für Flüchtlinge und voraussichtlich regulären Wohnungen, die frei angeboten werden, entstehen. Laut den Aussagen eines Vertreters der Baufirma FeWa sei „hochwertiges Bauen“ mit einer „Vollklinkerfassade“ und hohen Energiestandards geplant. Die Sozialwohnungen werden für die Dauer von 15 Jahren mit Asylsuchenden belegt, anschließend könnten „Normalbürger“ einziehen. Die Sozialbindung, also günstige Mieten, soll länger als nur 15 Jahre gelten. Kritiker bemängelten, dass in dem Neubaugebiet Sportflächen fehlten sowie Einkaufsmöglichkeiten für die Bewohner des zukünftigen Stadtteils. Das Bezirksamt Eimsbüttel will mit weiteren Veranstaltungen die Bürger in die Planung einbeziehen, unter anderem soll es einen Workshop und eine Fach-
tagung geben. Erste Termine sind für Ende April vorge-
sehen.
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