Hilfe für Opfer von Bürgerkriegen

Helfen mit einfachen Mitteln: Sabine Zante mit Patienten in dem Feldkrankenhaus im Süd-Sudan. Vier Monate war die Eidelstedterin im Einsatz für Ärzte ohne Grenzen. (Foto: pr)

Sabine Zante aus Eidelstedt engagiert sich für Ärzte ohne Grenzen im Süd-Sudan – das Interview im Wochenblatt

Tausende Menschen sind auf der Flucht vor Bürgerkriegen. Im Süd-Sudan herrscht seit Jahren eine prekäre Lage – Sabine Zante leistete in einem Camp der Vereinten Nationen nahe der Stadt Bentiu medizinische Hilfe. Das Elbe Wochenblatt sprach mit der Eidelstedterin.

Elbe Wochenblatt: Wie war die Lage in dem Camp, als sie ankamen?

Sabine Zante: Dort leben etwa 40.000 Menschen in einfachen Zelten und unter freiem Himmel. Das Camp liegt im Sumpfgebiet, nach heftigen Regenfällen steht die ganze Gegend unter Wasser. Techniker von Ärzte ohne Grenzen haben das Camp trockengelegt. Sie zogen Gräben, pumpten das Wasser ab und bauten Latrinen, um die hygienischen Bedingungen zu verbessern.

EW: Wofür waren Sie zuständig?
Zante: Ich habe als OP-Schwester eine Station geleitet - das Team bestand aus zwei südsudanesischen Chirurgen und elf Pflegern. Wir mussten immer wieder improvisieren. Aber man merkt: Man kann mit relativ geringen Mitteln etwas erreichen, um Menschen zu helfen. Das Krankenhaus in Bentiu wurde im Bürgerkrieg verwüstet. Das Zelt-Lazarett ist die einzige Anlaufstelle für Kranke und Verletzte in der ganzen Gegend.

EW: Gab es brenzlige Situationen?
Zante: Es gab zwischendurch Schießereien und Gefechte rund ums Krankenhaus, wir saßen dann stundenlang in einem Bunker, bis es draußen wieder sicher war. Ich machte mir Sorgen um mein Team und meine Patienten.
Wir hatten dort Schwangere und Kinder, die angeschossen worden waren. Ich habe mir nicht so viele Gedanken um meine eigene Sicherheit gemacht, die Patienten standen im Vordergrund.

EW: Ist es schwer, bei Krieg einfach zuzuschauen?
Zante: Man sieht Unrecht und hat eine Meinung dazu. Aber ich war nicht da, um zu urteilen, sondern um zu helfen. Es geht darum, die medizinische Lage vor Ort zu verbessern. Wenn wir nichts tun, gibt es dort gar nichts.

Ärzte ohne Grenzen


Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins sans Frontières, MSF) hilft in Bürgerkriegsländern und Konfliktzonen. In Camps und Krankenhäusern vor Ort leis-ten Freiwillige medizinische Hilfe. Die Teams bestehen aus Menschen aus aller Herren Länder – Sabine Zante zum Beispiel arbeitete mit Kollegen aus Kenia, Kanada, Irland, Schottland, Holland und den USA zusammen.
Die Freiwilligen werden von MSF ausgiebig auf ihren Einsatz vorbereitet und nach der Rückkehr weiter betreut. Für das Engagement gibt es keinen Lohn im klassischen Sinne, sondern eine Aufwandsentschädigung, die zum Bespiel laufende Kosten wie die Miete zu Hause abdeckt. Sabine Zante ist gelernte Krankenschwester und arbeitet in einer Spezialklinik in Großhansdorf. Für ihren viermonatigen Einsatz nahm sie sich Sonder-Urlaub, arbeitet nun aber wieder in ihrem vorherigen Beruf.
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