Hier lernen Schüler aus zwölf Nationen

„Extrem bereichernd“: Klassenlehrerin Anna Dittler (38, l.) mit den Schülern der Internationalen Vorbereitungsklasse. (Foto: AN)

„Keinen Bock habe ich noch nie gehört“: Zu Besuch in der Geschwister-Scholl-Schule in Lurup

Angela Niggemeyer, Lurup / Osdorfer Born

Bananenschale, Pappkarton Plastikflasche, Tetra-Pak, Joghurtbecher: Die 17 Schüler von Anna Dittler schauen sich die Gegenstände auf ihren Tischen genau an. Sie überlegen, diskutieren, wägen ab. In der Internationalen Vorbereitungsklasse (IVK) 5/6 der Geschwister-Scholl-Stadtteilschule steht heute Mülltrennung auf dem Stundenplan. In der Klasse lernen Schüler aus zwölf Nationen, sie stammen unter anderem aus Syrien, Afghanistan, Argentinien, Benin oder Angola. So unterschiedlich ihre Herkunftsländer sind, so unterschiedlich sind auch die Gründe, die sie nach Deutschland gebracht haben.

„Den Schülern sichere und klare Strukturen geben“

„Es sind Kinder aus der ganzen Welt, deren Eltern hier Arbeit gefunden haben, aber natürlich auch viele Flüchtlinge“, fasst Klassenlehrerin Anna Dittler zusammen. Die 38-Jährige unterrichtet die IVK seit August 2015. An sechs Stunden in der Woche lernen die Zehn- bis 13-Jährigen nicht nur Mathe oder Deutsch, sondern auch grundsätzliche Regeln und Verhaltensweisen. Es sei sehr inspirierend, mit so vielen verschiedenen Nationalitäten zu arbeiten, dennoch müsse man angesichts der Vielfalt der Kultur- und Bildungskreise sowie teils stark voneinander
abweichender Werte zunächst einen neuen gemeinsamen Nenner finden, so die Klassenlehrerin. „Nicht überall hat beispielsweise Pünktlichkeit
oberste Priorität. Bei uns in der Klasse ist das aber sehr wichtig“, betont die aus Sankt Petersburg stammende Lehrerin lachend.
Deutsch sprechen – das verbindet die Schüler von Anna Dittler. „Meine Aufgabe ist es, den Schülern sichere und klare Strukturen zu geben, damit sie nicht im Chaos versinken.“ Besonders wichtig sei das für die vor Krieg und Elend geflohenen, teils schwer traumatisierten Kinder. Kein einfacher Job für die Lehrkräfte, zumal im gesamten Schuljahr neue Schüler hinzukommen können. Die unterschiedlichen Lernstände unter einen Hut zu bekommen und individuelle Betreuung zu gewährleisten – das ist laut Anna Dittler manchmal nicht einfach, aber extrem bereichernd. „Die Kinder sind unsere Zukunft und jedes von ihnen will dazulernen. Keinen Bock habe ich hier noch nie gehört, das ist toll.“

IVK
Schüler, die gar kein oder nur ein bisschen Deutsch können, werden in Internationalen Vorbereitungsklassen (IVK) unterrichtet. Vor allem Flüchtlinge lernen in diesen Klassen die Sprache und Grundregeln des für sie neuen Landes. Hamburgweit werden laut Schulbehörde 5.535 Flüchtlinge in 428 Vorbereitungsklassen unterrichtet. 1.635 Schutzsuchende erhalten in 109 Lerngruppen in Zentralen Erstaufnahmeeinrichtungen (ZEA) Unterricht. Die Klassen werden meist zusätzlich von Sozialpädagogen unterstützt.
Nachdem es anfangs kaum Lehr- und Lernbücher für die IVK gab, hat die Schulbehörde nun Unterrichtsmaterial zusammengestellt, um die Lehrkräfte zu unterstützen. CV
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