Günstige Mieten ade?

Hochhaus im Osdorfer Born: In den kommenden Jahren müssen Hunderte Haushalte mit Mieterhöhungen rechnen.

Hunderte Wohnungen verlieren Sozialbindung

Tausende Haushalte sind in Lurup und im Osdorer Born noch vor Mietsteigerungen geschützt. Bei Sozialwohnungen sind preiswerte Mieten auf Jahrzehnte festgeschrieben, doch diese Verpflichtungen fallen nach und nach weg. Was dann?

Was ändert sich in Lurup?
Derzeit gibt es in Lurup noch knapp 3.000 Sozialwohnungen, die vorrangig an Langzeitarbeitslose, Geringverdiener oder Sozialhilfeempfänger vergeben werden. Beim städtischen Vermieter Saga/GWG werden für die Wohnanlage am Lüdersring zum Beispiel fünf Euro Kaltmiete pro Quadratmeter fällig. Laut Stadtentwicklungsbehörde laufen aber in den kommenden Jahren bei Hunderten von Wohnungen diese sogenannten Mietpreisbindungen aus: Ende des Jahres bei 502 Wohnungen in Lurup, 2017 bei 409, 2018 bei weiteren 274. In zehn Jahren werden gut 40 Prozent der
günstigen Apartments ohne Schutz sein, in 20 Jahren 80 Prozent des heutigen Bestandes.


Wie ist die Lage im Osdorfer Born?

In der Großsiedlung Osdorfer Born gibt es insgesamt 1.286 Sozialwohnungen. Aber die günstigen Mieten laufen aus: Ende 2015 bei 716 Wohnungen, 2017 bei 171 und 2019 bei 399 Wohnungen.

Steigen die Mieten?
Behörde und Saga/GWG sagen: Ja, aber nicht so stark. Beispiel Immenbusch: Die Wohnanlage wird modernisiert, dafür nimmt die Saga/GWG Fördergelder in Anspruch, und will Mieterhöhungen begrenzen. Laut Sprecher Michael Ahrens würden die Mietpreise „in den kommenden zehn Jahren nur moderat angepasst“. „Die Wohnungen werden weiterhin mit geringen Einkommen und Transferleistungen bezahlbar sein“, verspricht Ahrens.
Auch die Stadtentwicklungsbehörde beschwichtigt: Es sei nicht zu erwarten, dass Wohnungen viel teurer würden, wenn die Sozialstandards fallen. Bei der Saga/GWG liege die Durchschnittsmiete für Wohnungen ohne staatliche Förderung zum Beispiel bei 6,25 Euro pro Quadratmeter, also in etwa auf dem Niveau von neu gebauten Sozialwohnungen.

Mieterverein: Nicht sofort erhöhen!


Bei immer mehr Sozialwohnungen laufen die günstigen Mietpreise aus, es werden wenig neue geförderte Wohnungen gebaut. Siegmund Chychla vom Mieterverein zu Hamburg fordert: „Wenn die Bindungen auslaufen, darf nicht sofort die maximal mögliche Mieterhöhung gefordert werden.“ Denn günstiger Wohnraum wird immer knapper. „In den letzten vier bis fünf Jahren fanden gerade in dem untersten Segment die stärksten Mieterhöhungen statt“, so Chychla. Weiteres Problem: Laut Mieterverein zu Hamburg sind bei Neubauten die günstigen Mieten in der Regel nur auf 15 Jahre festgeschrieben, vor ein paar Jahren galten diese Mietgrenzen noch für 30 bis 40 Jahre.

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Stichwort „Sozialwohnungen“
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Betreff: Sozialwohnungen
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