Ganz übler Halloween-Scherz

Gisela G. ist 80 Jahre alt und schwer gehbehindert. Weil sie am Halloween-Abend nicht schnell genug an der Wohnungstür war, wurden ihre Fenster mit Eiern beworfen.

Gehbehinderte Rentnerin in Angst und Schrecken versetzt.

Von Jasmin Bannan.
Dieses Halloween wird Gisela G. aus dem Reemstückenkamp nicht so schnell vergessen: „Es war genau 18.31 Uhr am vergangenen Mittwoch, ich telefonierte gerade mit meiner Schwester, als es an meinem Wohn- und Schlafzimmerfenster schrecklich knallte... immer wieder und immer wieder“, so die 80-jährige schwerkranke Rentnerin, die beim Gedanken an den Halloween-Abend noch immer zusammenzuckt.
Ein wahrer Hagelsturm aus Eiern prasselte an die Fenster ihrer Wohnung. Durch das auf Kipp gestellte Fenster flogen rohe Eier ins Schlafzimmer, der Glibber hing in der Gardine, am Wohnzimmerfenster prallten zahlreiche Geschosse ab, ebenso an und auf dem Balkon.
Die gehbehinderte ältere Dame hatte für den Halloween-Abend Süßigkeiten bereitgestellt und ein paar Cent zurechtgelegt: „Aber ich kam eben nicht schnell genug an die Tür“, sagt Gisela G. traurig. Sie ist auf eine Gehhilfe angewiesen und kommt nur langsam voran.
„Ich bin dreifache Oma, seit wenigen Woche sogar stolze Ur-Oma, und ich liebe Kinder. Aber hier hört der Spaß auf. Mit Lebensmitteln werfen, das geht doch nicht! Es gibt Menschen, die wären dankbar, wenn sie ein Ei essen könnten.“
Die Spuren der Eierattacke zu beseitigen ist für Gisela G. ein Riesenproblem. Sie selbst ist hilflos, kann sich kaum bewegen. Und die Hilfe, die zwei Stunden am Tag da ist, soll sich eigentlich um den Einkauf und dringende persönliche Belange von Frau G. kümmern. Jetzt muss die Helferin Fenster und Balkon putzen und Gardinen waschen - die Zeit dafür geht von der Pflegezeit der alten Dame ab.
Seit 1993 wohnt Gisela G. im Reemstückenkamp. „Wir haben hier schon mit einigen Dingen zu kämpfen gehabt: Seit elf Jahren Baulärm durch Restaurierung und Neubau. Und dann die Jugendlichen, die den Platz unter meinem Balkon als Party- und Drogenumschlagplatz genutzt haben...“
Schon mehrmals habe sie mit Verwaltung über die Zustände gesprochen, heute möchte sie aus Angst, dass Kinder oder Jugendliche ihr auflauern oder tatsächlich etwas zerstören, ihr Gesicht nicht zeigen. „Ich mag kein Unrecht und ich bin nicht feige“, meint Gisela G. „Aber ich habe schon ein bißchen Angst.“
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