„Für Normalverdiener nicht zu verkraften“

Alfons Nitze vor seinem eingerüsteten Zuhause. Folgt jetzt nach Lärm, Dreck und Dunkelheit die Mieterhöhung? (Foto: mr)

Saga/GWG modernisiert – Mieterinitiative fürchtet Mehrbelastung

Miriam Roersch, Eidelstedt
Aus alt mach neu. Die Saga/ GWG investiert 15,2 Millionen Euro in die Hochhaussiedlung Hörgensweg und Reben- acker. Neue Fenster, Dächer, Isolierung am Gebäude, Be- und Entlüftungssysteme sowie neue Elektroinstallation in den Wohnungen – im Sommer 2016 sollen die Baumaßnahmen abgeschlossen sein. Bis dahin: viel Lärm, viel Dreck und wenig Licht. Danach: eine Mieterhöhung um 1,70 Euro pro Quadratmeter – eine Mietsteigerung von über 30 Prozent.
Dies Ergebnis hat Alfons Nitze berechnet. Er wohnt im Hörgensweg, engagiert sich in einer Mieterinitiative, die in engem Kontakt mit dem Hamburger Mieterverein steht. Er ist wie die meisten anderen Mieter für die Modernisierungsarbeiten, schließlich klagen viele Nachbarn über Schimmel und immens hohe Heizkosten. Doch gleichzeitig steht für ihn fest: „Nur weil die Sozialbindung weggefallen ist, sind die Leute ja nicht reicher geworden.“
Nach Auskunft der Saga/ GWG wird die Mietanpassung in zwei Schritten erfolgen: Nach Fertigstellung wird die Miete um 1,20 Euro pro Quadratmeter erhöht, nach zwei weiteren Jahren nochmal um 50 Cent. „Die Saga/ GWG hat die errechnete Steigerung von 3,10 Euro bei 1,70 Euro gekappt“, teilt Pressesprecherin Kerstin Matzen mit. Derzeit liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis bei 5,20 Euro.
Tatsächlich aber sei es schwer zu ermitteln, welche
Kosten der Baumaßnahmen prozentual auf die Mieter umgewälzt werden dürfen und welche nicht, sagt Stefan Schmalfeldt, Leiter der Rechtsabteilung im Hamburger Mieterverein. „Ich halte die 1,70 Euro für realistisch, mehr aber nicht.“ Diese Mietanpassung sei zwar für Hamburger Verhältnisse noch moderat. Doch auch er sieht: „Normalverdiener, die nicht vom Staat unterstützt würden, sind nicht in der Lage, solche Mietsprünge zu verkraften.“
Da brächten auch die angekündigten Energieeinsparungen nichts. Unterm Strich „erfolgt eine Mehrbelastung“. Deshalb würde sich Nitze wünschen: „Wenn schon Mietsteigerung, dann nur im Rahmen der Heizkostenentlastung. Sonst wird es für viele Mieter richtig eng.“
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