Einmal Born, (fast) immer Born

Stadtteiljubiläum: Sabine Schönsee gehörte
zu den ersten Mietern im Osdorfer Born

Ch. v. Savigny, Osdorfer Born

Als Sabine Schönsee im Februar 1968 mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder die neue Wohnung im Achtern Born bezog, muss sich die damals Sechsjährige wie in einer neuen Welt vorgekommen sein. „Zentralheizung, Badewanne und alles ganz modern“, zählt die heute 55-Jährige auf. Aus einer kleinen, recht schäbigen Bude in St. Georg – mit Kohleofen und Zink-Badewanne in der Küche – war die Familie hergezogen. „Man sich heute kaum noch vorstellen, was für ein Kulturschock das für uns war.“
Das Leben im Born war ein anderes als heute: Die meisten Hochhäuser gab es noch nicht – dafür aber viel Wald und Wiese. „Wir waren eigentlich den ganzen Tag draußen“, erzählt Schönsee. Mit ihren Freundinnen baute sie Baumhäuser aus Sperrmüll, ging nachts im Freibad schwimmen oder klaute Äpfel bei den Nachbarn. Von den verbotenen Dingen erzählte sie zuhause nichts. „Wenn meine Mutter das heute liest, kriegt sie bestimmt einen Schreck“, lacht die Bornerin.
Für 50 Pfennige konnte man im nahegelegenen Fama-Kino – das heute nicht mehr existiert – die neuesten (Grusel-)Streifen aus Hollywood gucken. An Titel wie „Zombies im Kaufhaus“ und „Planet der Affen“ kann sich Schönsee noch erinnern – und wie sich auf dem Heimweg durch den nächtlichen Wald die Zweige so unheimlich bewegten. Angst hatte sie nur wegen der Dunkelheit und der eindrücklichen Filmbilder – nicht etwa, weil man sich im Born nachts nicht auf die Straße trauen durfte. Rocker, Gangs, Getto? „Nee, das war alles noch gar kein Thema“, sagt Schönsee. Erst später, nach dem Zuzug von immer mehr Ausländern, sei der Ton rauer geworden. „Sowas wie Integration gab es ja damals noch nicht.“
Heute arbeitet Schönsee halbtags als Lohnbuchhalterin. Sie hat einen 19-jährigen Sohn und lebt – nach einer sechsjährigen „Auszeit“ – wieder im Born. Der Stadtteil ist ihre Heimat. Kaum einer, den sie nicht kennt – wenigstens über gemeinsame Bekannte. „So einen Zusammenhalt wie hier finden Sie sonst nirgends“, sagt sie.
Ihr Wunsch für die Zukunft: „Dass etwas gegen die herumlungernden Säufer vor dem Bürgerhaus unternommen wird. Das ist keine gute Visitenkarte für den Stadtteil!“
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