Einfach Pech gehabt

Franzose des Anstoßes: Wochenblatt-Praktikant Quentin Arts schrieb über seinen gescheiterten Umfrage-Versuch in Lurup.

Leser Hans-Peter Püst antwortet auf den Wochenblatt-Bericht „Lurup: Schlimme Ecke in einer tollen Stadt?“

Dass ein junger Franzose in Hamburg ein Praktikum beim Elbe Wochenblatt gemacht hat, finde ich super. Schade ist allerdings, dass dies leider auch mit einigen unschönen Erlebnissen in meinem Stadtteil verbunden war. Dabei sprichst Du, lieber Quentin, aber auch von anderen besseren Erlebnissen in Hamburg und stellst die Frage, ob Du vielleicht nur Pech hattest oder ob Lurup „definitiv eine schlimme Ecke in einer tollen Stadt ist“.
Darauf möchte ich Dir gern antworten. Ich bin 50 Jahre älter als Du und seit 1948 in Lurup wohnhaft, wo meine Eltern bei einem Siedlungsbauvorhaben ein neues Zuhause fanden. Ich kenne diesen Stadtteil daher „wie meine Westentasche“ und habe hier viele Freunde und nette Menschen kennen gelernt. Sicherlich gab es in diesen Jahrzehnten auch einige ungünstige Entwicklungen, die zu sozialen Brennpunkten führten. Es gibt aber auch viele hoffnungsvolle Ansätze, dies wieder positiv zu verändern. Besonders erfreulich ist, dass es in Lurup einen großen Kreis von Menschen gibt, die sich sehr engagiert für die Verbesserung der Verhältnisse einsetzen.
Deshalb – lieber Quentin – denke ich, dass Du wohl vor allem Pech hattest. Es gibt leider immer „so ne und solche.“ Und in einer immer mehr globalisierten Welt wird man den „typischen Hamburger“ ebenso wenig wie den „typischen Luruper“ finden können. Hättest Du zum Beispiel mich oder meine Frau angetroffen, wir hätten Dir gern geantwortet und auch gegen ein Foto nichts einzuwenden gehabt.
Ich schreibe dies, weil ich es bedauerlich fände, wenn ein junger Mensch aus einem Nachbarland mit solchen Negativeindrücken aus Lurup in die Heimat zurückkehren würde. Deine Einstellung, nicht aufgeben zu wollen, hat mir übrigens gut gefallen (auch wenn es „mit einem besseren Outftit“ wiederum nicht geklappt hat). Denn bei einer journalistischen Tätigkeit sollte man so schnell nicht aufgeben und muss einfach „am Ball bleiben“.
Bewahre Dir deshalb Deine Haltung und verliere dabei aber nicht den Glauben „an das Gute im Menschen“. Und besonders würde es mich freuen, wenn Du vielleicht eines Tages doch noch auf freundliche und Dir zugewandte Menschen in Lurup stoßen würdest.

Dein Hans-Peter Püst

Mehrere Luruper haben spontan in der Redaktion angerufen und erzählt, wie sehr sie Quentins Bericht getroffen hat. Einige Anrufer wollten Quentin zu sich einladen, andere ihm Mut zusprechen. Bis auf einen Leserbrief haben wir auf den zugegebenermaßen sehr subjektiven Artikel über die Erlebnisse des Wochenblatt-Praktikanten im Stadtteil nur freundliche und zugewandte Reaktionen erhalten. Das ehrt die Luruper. Wir bedanken uns herzlich und leiten alle Grüße und Briefe an Quentin weiter, der inzwischen in Bochum sein Studium fortsetzt. CH
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