„Eine Notlösung“

Mehrere Tage teilten sich 850 Flüchtlinge diese zehn Toiletten. Inzwischen gibt es weitere mobile Kabinen vor der Halle. (Foto: sh)

850 Flüchtlinge leben im ehemaligen Baumarkt im Hörgensweg in Eidelstedt – Duschen gibt es bislang nicht

Simon Hill, Eidelstedt

Die Situation im ehemaligen Praktiker-Baumarkt im Hörgensweg bleibt schwierig: Eine Woche nach Ankunft der ersten Flüchtlinge gibt es weiterhin keine Duschmöglichkeiten. Lediglich Handwaschbecken stehen den inzwischen mehr als 850 Menschen zur Verfügung. Die Wartezeit, um sich die Hände oder das Gesicht zu waschen, können laut Angaben mehrerer Flüchtlinge bis zu einer Stunde betragen.
„Es ist keine adäquate Form der Unterbringung, sondern eine Notlösung“, sagt Susanne Schwendtke, Pressesprecherin des Betreibers Fördern und Wohnen. „Es handelt sich hierbei ausschließlich um eine Maßnahme zur Abwendung von Obdachlosigkeit.“ Inzwischen arbeiten Klempner daran, Duschmöglichkeiten in dem ehemaligen Baumarkt zu schaffen.
Zumindest Betten haben die Mitarbeiter von Fördern und Wohnen, die die Unterkunft seit vergangenem Dienstag betreiben, mittlerweile an die Flüchtlinge verteilt. Bis Sonnabend mussten die Menschen auf Luftmatratzen, Isomatten oder dem Boden schlafen, da die Anzahl der vorhandenen Betten nicht ausreichte, um allen einen Schlafplatz zu gewähren. Um nicht für Unruhe zu sorgen, warteten die zehn hauptamtlichen Helfer mit dem Aufstellen der Betten, bis genug für alle da waren: „Die Situation erfordert von allen viel Geduld, auch von den Flüchtlingen“, so Susanne Schwendtke.
Am Sonntag vor einer Woche waren die Flüchtlinge in dem ehemaligen Baumarkt einquartiert worden. Wie Zaklin Nastic, Bezirksabgeordnete der Linken, berichtet, wurden sie dort zunächst sich selbst überlassen. Ausschließlich ehrenamtliche Helfer halfen bei der Versorgung. Erst am Dienstag nahm Fördern und Wohnen die Arbeit in Eidelstedt auf.

Fördern und Wohnen: Versäumnisse beim Senat

Das städtische Unternehmen, das einen Großteil der Unterkünfte in Hamburg betreibt, ist offenbar am Rande seiner Kapazitäten. Leitende Mitarbeiter kritisierten vorige Woche, dass es Hamburg über Jahre versäumt habe, für Schutzsuchende ausreichende und angemessene Möglichkeiten „von der Aufnahme bis zur Integration in Mietwohnraum“ zu schaffen. „Notmaßnahmen, die darin gipfeln, dass alle bisherigen Standards der öffentlichen Unterbringung über Bord geworfen werden, stören den sozialen Frieden in den Unterkünften und senken dramatisch die Akzeptanz dieser Einrichtungen und Nutzer.“

Helfertreffen


In Eidelstedt bildet sich eine Willkommensgruppe, um die Menschen in der Unterkunft Hörgensweg zu unterstützen. Für Freitag, 16. Oktober, lädt Pastorin Margitta Melzert zu einem ersten Treffen ein. Beginn ist um 20 Uhr im Gymnasium Dörpsweg, Dörpsweg 10. Welche Hilfe wird gebraucht? Wie und wo kann ich mich einbringen? Um diese und weitere Fragen soll es gehen.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.