Eine, die Mut macht

Rashida Eikmeier lebt seit mehr als 20 Jahren im Osdorfer Born: „Hier bin ich zuhause!“ (Foto: pr)

Rashida Eikmeier lebt im Osdorfer Born und bringt Zuwanderern Deutsch bei - ein Porträt

Von Christopher von Savigny, Osdorfer Born

Über den Osdorfer Born sagt Rashida Eikmeier: „Wenn ich mich nicht wohlfühlen würde, wäre ich schon lange wieder weggezogen!“ Seit 1995 wohnt die in Pakistan geborene Wahlhamburgerin – zeitweise mit Mann und Kindern – in dem Stadtteil, in dem sie sich inzwischen auch ehrenamtlich für Menschen mit Migrationshintergrund engagiert. Ein schöner Stadtteil, sagt sie. Jugendgangs, so wie früher? Nein, das gäbe es Gottseidank nicht mehr. Und auch die Versorgung mit Ärzten und Geschäften könne kaum besser sein. „Man kann hier sehr gut leben“, sagt Eikmeier.

In Buxtehude wird sie auf der Straße angestarrt

Rückblick: 1967 – vor knapp 50 Jahren – kommt die junge Frau aus Rawalpindi nach Deutschland, wo sie eine Ausbildung als Krankenschwester beginnen möchte. Drei Jahre zuvor ist auch ihr Bruder nach Deutschland ausgewandert, dessen abenteuerliche Reiseerlebnisse – große Teile der Strecke legte er zu Fuß zurück! – mit Sicherheit ein ganzes Buch füllen würden. Bei ihm und seiner Frau in Buxtehude lebt Rashida während der folgenden drei Jahre. Sie lernt Deutsch und näht in ihrer Freizeit Kleidung für sich und ihre Schwägerin.
Auf der Straße wird sie bisweilen angestarrt wie eine Kuriosität. „Außer mir gab es dort keine Ausländer“, erzählt sie. Auch die gläubige Muslimin, die bei ihrer Ankunft noch einen Kopfschleier trägt, muss sich erstmal an die europäische Freizügigkeit gewöhnen – ausgerechnet der Minirock ist gerade in Mode!

Sie will lernen und ihr Wissen weitergeben


Als 1969 ihr Vater stirbt, kehrt Eikmeier nach Pakistan zurück, um ihre Familie zu unterstützen. Vier Jahre später ist sie wieder in Deutschland – jetzt in Hamburg. Und fest entschlossen, den einmal begonnenen Lebensweg fortzusetzen. „Ich war erwachsener geworden und wusste zu dem Zeitpunkt besser, was ich wollte“, berichtet Eikmeier. Sie heiratet einen Deutschen, aus der Ehe gehen zwei Kinder hervor. Die Tochter arbeitet heute als Musikredakteurin bei einem Radiosender, der Sohn – eigentlich gelernter Industriekaufmann – ist einer der bekanntesten Elvis-Imitatoren Norddeutschlands.
Rashida Eikmeier leitet seit einiger Zeit einen Gesprächskreis für Borner mit ausländischen Wurzeln. Einmal wöchentlich trifft sich die Gruppe im Bürgerhaus. „Mein Wunsch war es immer, zu lernen“, sagt sie. „Und mein Wissen weiterzugeben.“ Man müsse immer nach vorne gucken, das Positive sehen. „Das Leben ist zu kurz, um unglücklich zu sein.“

Neue Serie: Mutmacher

Schlechte Nachrichten lesen, sehen und hören wir genug. Das Elbe Wochenblatt stellt in loser Folge „Mutmacher“ vor. Wir zeigen Menschen, die sich für das Miteinander einsetzen, die Anstöße geben für Verständnis und Solidarität. Und wir zeigen, dass jeder etwas für seine Nachbarschaft tun kann, manchmal auch mit Kleinigkeiten. Denn wir gestalten die Welt, in der wir leben. Machen Sie mit, lassen Sie sich Mut machen!
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