Ein Freibad mit ganz viel Herz

Vor 44 Jahren entstand das Freibad zur selben Zeit wie die Großsiedlung Osdorfer Born. Fotos:

Seit 44 Jahren haben die Borner ihr eigenes Erlebnisbad

Von Reinhard Schwarz. Ein Geheimtipp für Leute von außerhalb, für die Borner eine Selbstverständlichkeit: ihr Freibad. Pünktlich zum Ferienbeginn stürmten die Schulkinder bei Temperaturen um die 30 Grad das Bad in der Osdorfer Feldmark, das seit 44 Jahren ohne modischen Schnick-Schnack auskommt: Ein Schwimmbecken mit Nichtschwimmer-Zone, ein Planschbecken für die Kleinkinder und - einziges Zugeständnis an den Zeitgeist - ein Beachvolleyball-Feld. Selbst ein Sprungturm fehlt. Am Kiosk gibt es Hot Dogs, Bockwürste mit Senf, alle Eissorten und Erfrischungsgetränke – keinen Alkohol. Nachmittags strömen immer noch Besucher in das Bad.
An der Kasse sitzt Schwimmmeister Thomas Michaelsen. Es geht freundlich zu, Michaelsen duzt viele Besucher. Umgekehrt duzen ihn viele Badegäste. Das war nicht immer so, schildert der breitschultrige 52-Jährige: „Als ich hier vor sieben Jahren anfing, hatten wir fast täglich Polizeibesuch.“ Es gab ständig Stress mit einer bestimmten Klientel. „Wir hatten Situationen, da stürmten die mit 20 bis 30 Leuten hier rein.“ Mit fatalen Folgen: „Es kamen keine Familien mehr.“
Das habe sich vor zwei Jahren geändert, so Michaelsen: „Wir haben einen privaten Sicherheitsdienst, der kommt auf Zuruf.“ Vielleicht hängt es aber auch mit der Person des Blankenesers zusammen. „Ich kann auch anders“, sagt der freundliche Riese.
Und man mag nicht widersprechen. „Ich bin auch schon angegriffen worden, aber ich lauf’ vor der Situation nicht davon.“ Das macht offenbar Eindruck bei manchen auf Krawall gebürsteten Besuchern.
„Kann ich mein Handy abgeben?“, fragt ein etwa Zwölfjähriger. „Nein!“, antwortet Michaelsen kurz angebunden. „Ist das denn wertvoll?“, will er dann doch noch wissen. „Ja“, antwortet der schmächtige Junge. „Na, gib mal her“, zeigt der Schwimmmeister Herz. „Man muss das auch diplomatisch regeln“, erläutert Michaelsen seine Philosophie. Noch bis Ende August läuft die Freibadsaison.
Dann wechselt Michaelsen ins Freizeitbad Bondenwald in Niendorf: „Das ist dann ein ganz anderer Schnack.“

Freibad Info:
Das Freibad Osdorfer Born wurde 1970 gebaut, zusammen mit der gleichnamigen Großsiedlung. Das Schwimmerbecken ist lediglich 1,80 Meter tief, und es gibt keinen Sprungturm. Das Bad gehört zum Imperium der städtischen Bäderland und ist eines von mittlerweile, nach zahlreichen Schließungen, nur noch sechs Freibädern. Die Existenz der reinen Freibäder ist in Frage gestellt, seitdem der Rechungshof festgestellt hat, das die Kombi-Bäder (mit Hallenbad) sich besser rechnen. Hamburg subventioniert die Bäder, die sich nicht selbst tragen, aus dem Haushalt der Hansestadt.
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