Eidelstedter Jugendlicher sexuell missbraucht?

David (nicht abgebildet) hatte im Heim fast zwei Jahre lang keinen Kontakt zu seiner Tante und einstigen Pflegefamilie. Während dieser Zeit in einem Dorf an der Ostsee wurde der jetzt 18-Jährige von seinem Bezugsbetreuer sexuell missbraucht, so Davids Vorwurf. Foto: Paul-Georg Meister/pixelio
Hamburg: Eidelstedt |

Expertin wirft Ämtern Versagen vor – die weisen Verantwortung zurück

Julia Vellguth, Eidelstedt
Das Leben des 18-jährigen David (Name geändert) ist eine Abfolge von Dramen. Bereits als Kleinkind lehnte seine Mutter ihn ab. Seine besten Jahre verbrachte der Eidelstedter Junge bei der Familie seiner Tante, die auch zu seiner Pflegefamilie wurde. Als David in eine Einrichtung an der Kieler Straße kam, wurde immer wieder versucht, den Kontakt zu seiner Tante zu unterbinden. Doch als David in ein Heim nahe der Ostsee kam, begann ein Martyrium ungeahnten Ausmaßes: Sein Bezugsbetreuer nutzte die Hilflosigkeit des Jungen aus, er missbrauchte ihn immer wieder, so Davids Vorwurf.
Die Psychologin Gabriele Hesse vom Verein „Freunde der Kinder“ betreut Davids Pflegefamilie seit seinem zweiten Lebensjahr. „David war von Anfang an sehr traumatisiert“, erinnert sie sich. Als häusliche Veränderungen anstanden, sollte der Junge nur vorübergehend in einer nahen Einrichtung untergebracht werden.
Hintergrund: Als Davids Mutter, die sich nicht um ihr Kind kümmern will, nach Ludwigshafen zieht, bekommt er dort einen Vormund. Dieser bittet das Bezirksamt Eimsbüttel um Amtshilfe. Die Sozialprofis – auch von anderen Trägern – begannen allmählich, Davids Kontakt zu seiner Tante zu reduzieren: „Von Behördenseite galt die Maßnahme Pflegefamilie als beendet“, erklärt Gabriele Hesse.
Statt den von Trennungen traumatisierten Jugendlichen zu seiner engsten Vertrauten
zurückzuführen, verfügte das Jugendamt eine weitere räumliche Trennung und verlegte ihn in ein Heim für verhaltensauffällige Jugendliche nahe der Schleswig-Holsteinischen Ostseeküste. Zweieinhalb Jahre habe David kaum Kontakt zu seiner Pflegefamilie gehabt, obwohl beide Seiten ihn gewünscht hätten. „Wenn Kinder in der Familie schlechte Erfahrungen gemacht haben, kann es sinnvoll sein, den Kontakt abzubrechen, aber hier nicht“, so Psychologin Hesse. Sie kritisiert die Ämter: „Auf den Bindungsaspekt wurde keine Rücksicht genommen. Das finde ich ziemlich schlimm.“
Kurz vor seinem 18. Geburtstag erstattete David Anzeige gegen seinen Betreuer. Er floh zu seiner Tante nach Eidelstedt, wo er seitdem lebt. Der schwer traumatisierte Jugendliche ist jetzt zwar volljährig, doch nicht in der Lage, sich um Ausbildung oder Arbeit zu kümmern.

Bezirksamt weist Vorwürfe zurück
Das Bezirksamt Eimsbüttel weist alle Anschuldigungen zurück. „Das Bezirksamt hat die Vorwürfe geprüft und diese eindeutig widerlegen können“, so Pressesprecher Stephan Glunz. vel
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