Die Friseurin ist auch Seelentrösterin

Friseurin und Helferin aus Passion: Monika Schwabe (M.) mit ihren Kolleginnen Yasemin Mor (li.) und Saadet Sati sowie Kunde Fatih Demir. Foto: cvs

Wilhelmsburgerin Monika Schwabe kümmert sich ehrenamtlich um das Wohl von Pflegebedürftigen

Chr. v. Savigny, Wilhelmsburg

Waschen, Schneiden und Legen gehören zu den Tätigkeiten, die vielen von uns beim Stichwort „Friseur“ als erstes einfallen. Doch im Fall von Monika Schwabe käme man damit nicht weit. Denn die gelernte Friseurmeisterin aus Wilhelmsburg kann viel mehr als nur Haare schneiden: helfen, umsorgen, Seelen trös-
ten – und das alles ehrenamtlich neben ihrer Arbeit. „Uns geht's doch so viel besser als den meisten anderen Menschen“, sagt Schwabe. „Warum soll ich nicht ein bisschen davon abgeben?“
Die 68-Jährige betreibt einen Friseursalon auf dem Gelände des Seniorenzentrums Wilhelmsburg. Zu ihren Kunden gehören sowohl an Demenz erkrankte Menschen, als auch Patienten, die im Wachkoma liegen. Ein schwerer Job: Kaum einer lobt sie mal für einen gelungenen Haarschnitt, und Demenzkranke kratzen und beißen gelegentlich sogar.
Doch Schwabe und ihre Mitarbeiterinnen sorgen sich ausgiebig um das Wohl ihrer Kunden, nehmen sie in den Arm, reden mit ihnen, hören zu. Wenn möglich, spielen sie Spiele mit ihnen oder gehen spazieren. Auch ein neuer Makeup-Auftrag oder – bei den weniger Betuchten – ein Gratis-Haarschnitt gehören zu den Dingen, über die sich ihre Kunden freuen dürfen. „Viele Menschen kümmern sich gar nicht um ihre pflegebedürftigen Angehörigen“, hat Schwabe festgestellt. „Ich kann sagen, dass ich mit Leib und Seele dabei bin und dass mir das sehr viel Freude macht!“

Manchmal kommt
der Klinik-Clown

Vor rund sieben Jahren hat die rüstige Friseurin zusammen mit ihrem Mann Hans-Joachim einen Freundeskreis gegründet, der sich für das Wohl der Senioren auf Vereinsbasis engagiert. Zweimal im Jahr werden gemeinsame Busausflüge angeboten, die zum Beispiel ins Hamburger Umland oder an Nord- und Ostsee führen.
Insbesondere die Wachkoma-Patienten, die kaum etwas mitbekommen, liegen Schwabe am Herzen. Da wird schon einmal der Klinik-Clown bestellt - oder eine „Kräuterfee“, die den Patienten anregende Wohlgerüche unter die Nase hält. Der Freundeskreis mit seinen derzeit etwa 30 Mitgliedern finanziert sich über Mitglieds- und Spendenbeiträge.
Aufhören möchte Schwabe trotz ihrer 68 Jahre noch lange nicht. „Es gibt keinen Grund dazu“, sagt sie und lacht: „Kopf und Beine sind doch noch in Ordnung!“ Wenn sie könnte, würde sie sich sogar noch mehr engagieren, zum Beispiel für vernachlässigte Kinder. „Ich helfe eben gern“, sagt sie.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.