Dauernd schlechte Luft

An Hamburger Hauptstraßen sind Abgase die Hauptquellen von Schadstoffen. Vor allem ältere Dieselfahrzeuge pusten viel Dreck raus. Foto: panthermedia

Messwerte für Stickoxide sind seit Jahren zu hoch – handelt die Stadt zu lax?

Carsten Vitt / Ch. v. Savigny, Eimsbüttel/Altona

Anwohner der Fruchtallee, Kieler Straße, Max-Brauer-Allee oder Stresemannstraße haben das Problem täglich vor der Nase. Abgase von Autos, Lastern und Bussen verpesten an Hauptverkehrsstraßen die Luft. Auch Radfahrer bekommen das direkt zu spüren. Matthias Pätzold zum Beispiel fährt täglich mit seinem schwarzen Tourenrad die Max-Brauer-Allee hinauf bis zum Schlump in Eimsbüttel, wo er sein Büro hat. Zu Stoßzeiten ist er nur ungern unterwegs. „Mein Eindruck ist: Die Luft wird immer schlechter“, sagt er.

200.000 Menschen wohnen mit Gesundheitsrisiko

In Hamburg liegen die an Hauptstraßen gemessenen Werte für Luftschadstoffe wie Stickstoffdioxid (NO2) seit Jahren über den zulässigen Grenzwerten. Das Reizgas NO2 schneidet regelmäßig am schlechtesten ab: Zwischen 60 und 73 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegt der Jahresmittelwert für NO2 seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2002 zum Beispiel an der Station Max-Brauer-Allee. Der EU-Grenzwert gibt eine Maximalbelastung von 40 Mikrogramm vor.
Nach älteren Berechnungen der Umweltbehörde ist davon auszugehen, dass an nahezu allen Hauptstraßen im innerstädtischen Bereich – also in Altona, Eimsbüttel oder Mitte – der Grenzwert überschritten wird. Auch für 2016 hat der Umweltverband BUND festgestellt, dass die NO2-Konzentrationen an den Hamburger Messstellen weiterhin zu hoch sind.
„Mehr als 200.000 Hamburgerinnen und Hamburger leben an Straßen, an denen die Stickstoffdioxidbelastung als gesundheitsgefährdend gilt“, kritisiert Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg. Hauptquelle an belasteten Straßen ist der Verkehr. Aus Sicht des BUND muss dieser daher umweltfreundlicher oder weniger werden. Gefordert werden unter anderem Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen, Durchfahrtsverbote für Dieselfahrzeuge und eine Umweltzone.
Die Stadt hält bisher wenig von diesen Vorschlägen und setzt stattdessen auf mehr
öffentlichen Nahverkehr, Radverkehr und strengere Abgasstandards bei Autos.

Jan Dube, Sprecher der Umweltbehörde (BUE), weist die Vorwürfe des BUND, nicht genug für bessere Luft zu tun, zurück. Aktuell arbeite die Umweltbehörde an einer Neuauflage des Luftreinhalteplans. „Wir haben mit aufwändigen Gutachten prüfen und berechnen lassen, welche Maßnahmen konkret welche Wirkung auf die Stickoxidbelastung haben. Der neue Luftreinhalteplan soll dann die wirksamsten Maßnahmen enthalten, damit Hamburg schnellstmöglich an allen Messstationen die Grenzwerte wieder einhält. Welche die geeigneten Maßnahmen sind, wird sich erst aus der Auswertung der Gutachten ergeben. Diese läuft derzeit“, so Dube.
Die Stadt arbeite aber schon jetzt daran, die Stickoxid-Werte zu senken. Dazu beitragen sollen emissionsarme Antriebe für Hafenfähren, der massive Ausbau des Radverkehrs und des ÖPNV. „Wir bauen hunderte Ladesäulen für Elektroautos und wollen spätestens ab 2020 nur noch emissionsfreie Busse anschaffen“, so Dube.
Der Behördensprecher argumentiert, dass ein großer Teil der NO2-Immissionen in Hamburg aus Industrie, Hafen, der Landwirtschaft im Umland oder von den Autobahnen im Osten und Westen der Stadt stamme. „Nur die Spitzenbelastungen an den vier Messstationen stammen aus dem dortigen Verkehr. Um diese zu reduzieren, prüfen wir auch Maßnahmen, die den Verkehr an diesen und ähnlichen Straßenabschnitten verflüssigen, beispielsweise durch intelligente Ampelschaltungen. Denn: Fließender Verkehr in der Stadt sorgt für deutliche geringere Abgasbelastungen als Stau und Stop-and-Go“, so Dube. CV

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