Dauer-Ärger über Fluglärm

Immer mehr Starts und Landungen über die Häuser im Hamburger Westen hinweg: In den letzten zehn Jahren stieg die Zahl der Flugpassagiere in Hamburg um 30 Prozent. (Foto: cv)
 
Der Tourismus boomt, die Anwohner leiden: Anne Krischok (SPD, v. l.) und Dennis Thering (CDU) versuchen sich an einer Problemlösung. (Foto: cvs)

Bürger leiden unter den Belastungen durch Jets – die Politik findet bisher keine Lösung

Christopher von Savigny, Lurup

Ryanair ist nun auch Teil des Problems: Seit Anfang November hat die irische Billig-Airline eine Basis in Fuhlsbüttel und fliegt von dort aus 14 Ziele in Europa an. Der Flughafen wächst, in der Luft über der Hansestadt und vor allem am Boden wird es immer lauter: Um rund zwölf Prozent hat die Anzahl der Starts und Landungen am Flughafen Fuhlsbüttel zwischen 1993 und 2015 nach einer Untersuchung der Hamburger Umweltbehörde (BUE) zugenommen. Die Anzahl der Passagiere ist sogar um 30 Prozent gestiegen – allein innerhalb der letzten zehn Jahre.
Um dem Verkehrsaufkommen Herr zu werden, leitet der Flughafen mehr und mehr Flüge über den Hamburger Westen (Flugachse Niendorf – Blankenese). Anwohner sind extrem genervt.
Die 2015 gegründete „Initiative gegen den Fluglärm im Hamburger Westen“ (IFL) will dagegen angehen. „Wir beobachten, dass die Klagen der Anwohner in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben“, sagt IFL-Sprecher Klaus Wicher. Bei
einer von der IFL organisierten Diskussion in der Aula des
Goethe-Gymnasiums bemühten sich Politiker und Betroffene um gegenseitige Annäherung.

Was tut die Politik?

Anne Krischok (SPD Rissen-Sülldorf) führte den so genannten „16-Punkte-Plan“ ins Feld, den der Senat im Kampf gegen Fluglärm ins Leben gerufen habe. Dort geht es unter anderem um Regelungen für Nachtflüge (ab 23 Uhr wird’s teurer), um Flugschneisen und die Höhe von Starts und Landungen. „Mit der Einrichtung der Stelle einer Flug-lärmschutzbeauftragten haben wir jetzt klar geregelte Zuständigkeiten und Pflichten“, sagte die Bürgerschaftsabgeordnete. Sie räumte allerdings ein, dass die Bahnbenutzung noch nicht ausreichend geregelt sei. Heißt: Vorschriften für Starts über bestimmte Gebiete würden nicht immer eingehalten.
Aus Sicht der politischen Opposition sind die bisherigen Erfolge der Hamburger „Regierung“ gleich null: „Ich sehe im Moment nicht, dass sich dadurch nachhaltig etwas ändert“, sagte Stephan Jersch (Linke). Allerdings liege die Schuld auch beim Reiseanbieter: „Es gibt Easy-Jet-Tickets, die weniger kosten als eine HVV-Tageskarte. Ich finde das abstrus“, so Jersch.
Laut Dennis Thering (CDU) werden die Regeln nicht eingehalten, weil Hamburg vom Tourismus profitiere. „Bei Olaf Scholz sehen wir immer wieder, dass dort überhaupt kein Wille da ist, etwas zu verändern“, so Thering.

Das sagen Bürger

Es ist laut, es ist dreckig: „Vor 23 Uhr gehe ich nicht mehr ins Bett“, berichtete Tania Plate aus Blankenese. Auch tagsüber sei der Lärm unerträglich geworden. „Fast ununterbrochen kann man über Blankenese Starts und Landungen beobachten.“ Eine weitere Anwohnerin aus Groß Flottbek, die ihren Namen nicht nennen wollte, berichtete über rußgeschwärzte Wäsche auf dem Balkon. Möglicherweise trügen allerdings die Flugzeuge von Airbus auf Finkenwerder die Schuld. „Ich habe nachgeguckt, die fliegen hier nur 30 Meter hoch“, sagte sie.
Für die IFL sind vor allem zwei Punkte besonders wichtig: geänderte Flugrouten und ein anderes Startverfahren. So sei seit gut drei Jahren zu beobachten, dass immer mehr Jets über Wohngebiete im Hamburger Westen fliegen. Die IFL fordet, die Maschinen mehr über Gewerbe-und Industriegebiete zu leiten.
Zudem sei das in Hamburg übliche flache Startverfahren besonders laut für die Menschen am Boden. Ein Beispiel aus Lurup: An einem Tag im April hoben 60 Prozent der Maschinen auf diese Weise ab. „Vor allem Billigflieger starten sehr flach“, heißt es aus der Abteilung Fluglärmschutz. Aus Sicht der Initiative knickt Hamburg vor den Airlines und dem Flughafen ein.
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4 Kommentare
12
Peter Mayer aus Stellingen | 16.11.2016 | 22:16  
37
Nadja Galwas aus Altona | 18.11.2016 | 00:54  
6
Haiko Herden aus Lurup | 18.11.2016 | 08:06  
12
Peter Mayer aus Stellingen | 18.11.2016 | 09:42  
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