„Das war Zufall“

Warum wird die Geschwister-Scholl-Schule zwei Jahre später fertig als geplant? „Unsere Kapazitäten sind erschöpft“, bemühte sich eine Vertreterin der Schulbehörde bei der Borner Runde um Aufklärung. Foto: cvs

Neue Geschwister-Scholl-Schule wird erst 2021 fertig –
Borner Runde übt heftige Kritik

Ch. v. Savigny, Osdorfer Born
In Lurup wird die Stadtteilschule bis 2019 neu gebaut, im Osdorfer Born dauert es noch zwei Jahre länger (das Elbe Wochenblatt berichtete): Die Verzögerungen beim Neubau der Geschwister-Scholl-Stadtteil-schule (GSS) hat das Stadtteilgremium „Borner Runde“ heftig kritisiert. „Wir fühlen uns – ich sag es mal grob – verarscht“, sagte die Elternratsvorsitzende Sandra Meins. Man müsse immerzu das Gefühl haben, die Stimme des Osdorfer Borns werde nicht so laut wahrgenommen, wie die der anderen Stadtteile.Ursprünglich sollte bereits im Mai mit dem 35-Millionen-Euro-Neubau begonnen werden. Fertig sollte die Schule Ende 2019 sein. Inzwischen ist klar, dass sich das Ganze grob um zwei Jahre verschiebt. Als vorläufigen Termin der geplanten Fertigstellung nannte Schulbau Hamburg (SBH) nun Frühjahr 2021. Dass das verlässlich ist, glaubt im Stadtteil kaum jemand.
Passend zum brisanten Thema hatte die Borner Runde ihr Treffen in die GSS verlegt und einige Vertreter der Schulbehörde (BSB) dazugeholt. Diese baten um Verständnis. „Der Hauptgrund für die Verzögerung ist, dass wir eine so große Maschinerie bewegen“, sagte BSB-Koordinatorin Katrin Doblhofer über das Zwei-Milliarden-Euro-Mammutprojekt, das sich mit der Sanierung und dem Neubau der Hamburger Schulen beschäftigt. „Nicht nur unsere Kapazitäten sind ausgeschöpft, sondern auch die der beteiligten Baufirmen.“ Dass es nun gerade diese Schule getroffen habe, sei mehr oder weniger Zufall. „Es tut mir natürlich leid für den Stadtteil“, so Doblhofer.
Dennoch bitter für die Borner: Ausgerechnet die benachbarte Schule Luruper Hauptstraße, die mit der GSS eine gemeinsame Oberstufe unterhält, ist nicht im geringsten von den Verzögerungen betroffen. Anwohnerin Margret Heise wünschte sich aus dem Grund „mehr Transparenz“ bei der Planung. Klaus Meuser, Mitglied der Borner Runde, sagte: „Der Verdacht ist groß, dass gar nichts von dem stimmt, was man uns erzählt.“
Um die Wogen im Born zu glätten, war auch Bezirksamtsleiterin Liane Melzer gekommen. Sie versuchte es mit Zweckoptimismus: „Natürlich ist es ärgerlich, wenn sich so ein Bau verzögert“, sagte Melzer. „Aber umso schöner, dass wir nun beginnen können!“

Baubeginn im Herbst 2018 – vielleicht

Osdorfer Born. Die neue Geschwister-Scholl-Schule besteht aus vier, im Grundriss mehr oder weniger quadratischen Gebäuden, die versetzt zueinander angeordnet sind. Auf insgesamt drei Stockwerken (alles in allem 9.500 Quadratmetern) finden sich sowohl Klassenräume wie auch multifunktionale Lernbereiche, eine Aula („Forum“), eine Mensa, eine Bibliothek und die Musikräume. Durch die Gruppierung von kleineren, halboffenen Räumen um eine Gebäudemitte wird viel Platz für eigenständiges Lernen geschaffen. Auch das Haus der Jugend soll wieder im Schulgebäude unterkommen. Zusätzlich wird eine neue Dreifeldsporthalle gebaut.Der Haupteingang wechselt auf die Seite zum Glückstädter Weg. „Wir wollten das so, denn wir sind eine Schule für den Osdorfer Born“, sagt Schulleiter Dirk Voss. Laut Planung sollte der Bau im Mai begonnen werden – nun geht es voraussichtlich erst im September 2018 los.
Die Geschwister-Scholl-Schule hat nach einigen mageren Jahren aktuell wieder vier fünfte Klassen. Sie werden weiterhin in einer abbruchreifen Schule lernen müssen. cvs

„Wir werden nicht gehört“

Die Politiker und der Osdorfer Born: Interview mit Maria Meier-Hjertqvist

Matthias Greulich,Osdorfer Born


Maria Meier-Hjertqvist hat sich mit der Borner Runde vehement für den Neubau der Geschwister-Scholl-Stadtteilschule eingesetzt. Dass der nun viel später fertig wird, macht sie fassungslos.

Frau Meier-Hjertquist, wie sich jetzt herausstellt, wird der Neubau der Geschwister-Scholl-Stadtteilschule frühestens zwei Jahre später als geplant fertig. Was halten Sie davon?

Das ist mal wieder eine Entscheidung nach dem Motto: ,Mit den Bornern kann man es ja machen.’

Sie fühlen sich nicht ernst genommen?
Absolut nicht. Daran hat auch das 50-jährige Jubiläum des Stadtteils nichts geändert. Alle möglichen Leute haben nette Reden gehalten. Das war auch sehr nett, aber von der versprochenen U-Bahn-Anbindung sind wir immer noch meilenweit entfernt.

Bürgermeister Olaf Scholz fehlte bei der Feier im Juli. Er war bei der Beerdigung von Helmut Kohl.
Das haben wir wahrgenommen. Kann passieren, das nimmt hier keiner persönlich. Olaf Scholz hat uns, da war er noch Bundestagsabgeordneter, das Freibad gerettet. Hat sich damals bei den Verantwortlichen von Bäderland für uns eingesetzt. Alles, was wir beim Jubiläum zu sagen hatten, haben wir Frau Stapelfeldt gesagt.

Die Borner Runde ist an der Gebietsentwicklung beteiligt. Was bedeuten zwei verlorene Jahre beim Schulneubau für den Stadtteil?
Bildung ist der wichtigste Punkt der Quartiersentwicklung. Dazu gehörte immer, dass die Schulen im Born und in Lurup gleichzeitig neu gebaut werden. Es war nie die Rede davon, dass in Lurup zuerst gebaut wird, auch wenn ich es den Lurupern gönne. Aber beide Schulen sind ähnlich marode.

Was hängt noch dran?
Am Schulneubau hängen viele andere Projekte wie das Borner Bildungsband, das Kitas, Schulen und Sportstätten im Stadtteil noch besser hervorheben will. Die Zeit läuft uns weg: Die Quartiersentwicklung läuft bis 2021. Wer kümmert sich dann? Wir kennen das schon von den Planungen für das Bürgerhaus, die sich auch immer wieder verzögerten. Bei Schulbau Hamburg gab es andauernd Wechsel, für die Borner drohten wichtige Punkte durch die lange Planung verloren zu gehen.

Der Schulneubau gilt als Hoffnungszeichen für den gesamten Born. Wie haben die Bewohner die Nachricht aufgenommen, dass sich die Schulbehörde nicht an den ursprünglichen Plan hält?
Viele sind enttäuscht und total gefrustet, weil sie sich vehement für den Schulneubau eingesetzt haben.

Wird das nicht wahrgenommen?
Wir werden nicht gehört, so sehr wir auch kämpfen. Mich erinnert das an das Thema Busbeschleunigung, das die Borner extrem bewegt hat. Wir haben dagegen demonstriert und versucht, uns zu wehren. Hinterher sagte der Staatsrat der Wirtschaftsbehörde, im Born habe doch keiner gegen seine Pläne aufgemuckt.
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