Das Haus der Künstler

Ist froh, ein Atelier zu günstigen Mieten gefunden zu haben: Maler Matthias Tedjasukmana vor einer Auswahl seiner Werke im neuen Kunsthaus in Eidelstedt. (Foto: cv)

In der Süptitzvilla am Hörgensweg ist jetzt eine Ateliergemeinschaft

- Carsten Vitt, Eidelstedt - Schon am Eingang riecht es nach Farbe und Terpentin. In zwei Kellerräumen hat Maler Matthias Tedjasukmana seine Bilder ausgebreitet. Müssen noch trocknen für die nächste Ausstellung. Auf dem Boden ein Haufen Pinsel und Farbdosen. Willkommen im Künstlerhaus in der ehemaligen Süptitzvilla am Hörgensweg. Seit Anfang Mai sind hier Ateliers. Ein Besuch.
Im zweiten Stock ist das Reich von Dorothee Fichtmüller. Eine Fischerhose mit Gummistiefeln hängt an einer Wand. Mit Luft gefüllte Plastiktüten baumeln von einem Holzbalken. Teil einer Installation namens „Gedankenkapital“. Ideen und Träume in Tüten? Recht
abstrakt, aber ein bisschen nachdenken muss man bei Kunst ja schon.
Fichtmüller und ihre Mitstreiter im Künstlerhaus werden mit mehreren Kunstaktionen auch im Stadtteil präsent sein. Geplant sind Installationen und Performances im öffentlichen Raum, aber auch Workshops und Ausstellungen im Künstlerhaus selbst oder an anderen Orten. „Wir suchen auch immer wieder Räume, zum Beispiel leerstehende Gewerbeflächen oder vielleicht Wohnungen, in denen für einen gewissen Zeitraum Kunst gezeigt werden kann“, so Anke Schmidt-Eckhoff.
Die Kunstproduktion fürs Viertel ist Teil eines Deals: In erster Linie haben die Künstler mit viel Glück günstige Atelierräume ergattert. Als Gegenleis-tung sollen sie das Viertel mit Ausstellungen und Aktionen beglücken (siehe Kasten).
„Für mich stehen die Menschen im Mittelpunkt“, sagt Fichtmüller, die Themen wie Armut oder Integration aufgreifen möchte. Als erstes ist im kommenden Jahr eine „soziale Plastik“ geplant, bei der Menschen an verschiedenen Orten im Stadtteil symbolisch miteinander verbunden werden. Insgesamt fünf bis sechs Kunstaktionen sind pro Jahr vorgesehen.
Im Haus arbeiten derzeit fünf Künstler, ein Teil der Räume ist als Gast-Atelier für wechselnde Künstler vorgesehen.

- Wer Räume für Ausstellungen anbieten möchte, kann sich an Dorothee Fichtmüller, Tel. 23 844 562, wenden oder schickt eine E-Mail an
sueptitzvilla@gmx.de
- www.sueptitz.tumblr.com

Infos zur Süptitzvilla
Die Villa im Hörgensweg 76 ist Teil des ehemaligen Gartenbaubetriebs Süptitz. Das seit Jahrzehnten brach liegende Gewerbegelände ist bis mindestens 2021 für gemeinnützige Zwecke nutzbar. Der Eigentümer überlässt die Villa dem Künstlerverein Freifeld für eine symbolische Miete von einem Euro pro Monat. Im Gegenzug machen die Kreativen Kunst im und fürs Viertel. Bis Ende 2012 war noch der Beschäftigungsträger Hamburger Arbeit in dem Gebäude untergebracht.
Das Bezirksamt Eimsbüttel hat gemeinsam mit der Kulturbehörde und dem Verein Ateliers für die Kunst (AfdK) das erste Künstlerhaus im Bezirk ins Leben gerufen. Sylvia Henze, AfdK-Vorsitzende, hofft, dass die Kunstvilla Schule macht: „Dies ist hoffentlich auch ein Modell für die Umnutzung weiterer leerstehender Gebäude in der Stadt.“ Wegen der hohen Mieten in Hamburg müssten sich bildende Künstler in ihrer Arbeit oft einschränken.
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