Chancen für alle Kinder

Tahira Malik (30), Juristin: „Trotz guter Noten in der Grundschule bekam ich als Migrantin keine Gymnasialempfehlung. Man riet mir, den Realschulabschluss zu machen. Das soll anderen nicht passieren.“ (Foto: ap)

Das Integrationsprojekt „Eltern vor Ort“ setzt auf den Einfluss der Mütter

- A. Polzin, Osdorfer Born - Wie soll es im nächsten Jahr nach der Schule weitergehen? Keine einfach zu beantwortende Frage für junge Menschen. Noch schwieriger wird es, wenn man sich im komplizierten Hamburger Bildungssystem nicht auskennt und dazu noch Schwierigkeiten mit der Sprache hat. Um falschen Entscheidungen zuvorzukommen, wurde für Jungen und Mädchen mit Migrationshintergrund das Projekt „Eltern vor Ort“ der Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung entwickelt.
„Ziel ist ein besserer Einstieg von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt“, so Projekt-Referentin Schekeba Jentsch. Schulen und Stadtteilzentren sind in das Projekt eingebunden. Um Familien die vielfältigen Bildungs-und Berufsmöglichkeiten für ihre Kinder aufzuzeigen, werden „Elternmultiplikatoren“ gesucht und in achttägigen Kursen speziell geschult.
Zu 98 Prozent sind das engagierte Mütter, die sich ehrenamtlich, nur für eine kleine Aufwandentschädigung, einsetzen. Sie sprechen andere Eltern an und laden sie zu Informationsveranstaltungen in deren Heimatsprachen ein.
Zu den engagierten Frauen gehört auch Tahira Malik (30), die 1989 mit ihrer Familie als religiös Verfolgte aus Pakistan kam und wegen ihrer kleinen Kinder zurzeit nicht berufstätig ist. Bildung spielte in ihrer Familie immer eine wichtige Rolle. Malik ist Juristin. Nun erklärt sie anderen Eltern, dass sie Mitbestimmungsrechte – zum Beispiel bei der Auswahl des Bildmaterials im Sexualkundeunterricht – und bei jedem Schulgespräch Anspruch auf einen kostenlosen Dolmetscher haben. „Ich will Eltern motivieren, ihre Kinder zu höchster Bildung zu führen“, so Malik.
Das Projekt läuft in Hamburgs Brennpunkten: neben Dulsberg und Langenhorn auch im Osdorfer Born. Informationen gibt es bei Projekt-Referentin Schekeba Jentsch unter Tel. 334 24 13 32.
„Eltern vor Ort“ wurde bereits ausgezeichnet: Es hat beim Bildungswettbewerb „Hidden Movers Award 2012“ („versteckte Beweger“) der Deloitte Stiftung den Sonderpreis für Sprachförderung gewonnen.
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