Busprogramm: Nur „Placebo“ oder ein Schritt nach vorn?

Busbahnhof Eidelstedter Platz: Vor allem die Busse der Linie 21 Richtung Lurup sind oftmals überfüllt, die Luft in den Bussen verbraucht. Nicht sehr angenehm für Mütter mit Kindern oder für ältere Leute, die meist keinen Platz mehr abbekommen.
 
Schleichverkehr: Die Busse auf der Elbgaustraße (hier in Richtung Eidelstedter Platz) stehen regelmäßig im Stau. Ärgerlich für Fahrgäste, die an der S-Bahn Elbgaustraße eingestiegen sind, um zum Eidelstedter Zentrum zu kommen. Sie hätten genauso gut zu Fuß gehen können. Foto: rs
Hamburg: Busbahnhof Eidelstedt |

Kritik und Lob für das Senatsprogramm zur Beschleunigung des Busverkehrs

von Reinhard Schwarz

Schlechte Luft in vollen Bussen, die auch noch im Stau stecken. Das soll jetzt alles anders werden, verspricht der SPD-Senat. Der zuständige Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) hat kürzlich sein Busbeschleunigungsprogramm vorgestellt – und bereits harsche Kritik, aber auch Lob geerntet.
Kritik kommt von der GAL. „Der Eidelstedter Platz soll umgebaut werden, um dort die Busabfertigung weniger zu verzögern, aber was ist mit dem Rest der Strecke?“, fragt Stefanie Könnecke, die GAL-Sprecherin für den Regionalbereich Stellingen-Eidelstedt. Sie ergänzt: „Auf der Kieler Straße zuckelt der Bus der Linie 4 mit dem Rush-Hour-Individualverkehr mit, an den Ampeln Sportplatzring und Langenfelder Damm verliert er oft bei mehreren Ampelumläufen Zeit. Stauumfahrende Abbiegespuren? Busbevorrechtigung? Fehlan-
zeige!“
Auch Frank Döblitz, Planungsexperte der Eimsbütteler CDU, ist unzufrieden mit dem Senatsentwurf: „Das Busbeschleunigungsprogramm ist so unkonkret, wie es nur geht.“ Zu dem angekündigten Umbau des Eidelstedter Platzes erklärt er: „Das soll bis 2016 geschehen, doch wie es konkret aussehen soll, wird nicht gesagt.“ Das Fazit des Eidelstedters: „Worthülsen, Dampfplauderei!“ Das Senatsprogramm zur Busbeschleunigung sei ein „Placebo, um uns an der Nase herumzuführen“.
Diese CDU-Kritik will Peter Schreiber, verkehrspolitischer Sprecher der Eimsbütteler SPD und ebenfalls aus Eidelstedt, so nicht stehen lassen: „Dann muss Herr Döblitz auch einmal sagen, was er will und einen Gegenvorschlag machen.“ Peter Schreiber zufolge sei „jede Maßnahme des Busbeschleunigungsprogramms an sich kein großer Wurf, aber die Summe aller Einzelmaßnahmen durchaus“. Auch der schon 2008 im Verkehrsausschuss des Bezirks vorgestellte Plan zum Umbau des Eidelstedter Platzes würde „eine spürbare Verbesserung der Busabwicklung bringen“. Die Planung sei allerdings damals auf Wunsch des CDU-Koalitionspartners GAL „in den Schubladen verschwunden“.
Lob für die Ziele des Senatsprogramm äußert auch die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete und Eidelstedterin Martina Koeppen: „Nicht nur die Busse fahren zügiger, auch der einzelne Pkw kommt schneller voran.“

Schneller und besser mit dem Bus
Mit seinem Programm zur Beschleunigung des Busverkehrs will der Senat Wohnsiedlungen wie den Osdorfer Born besser anbinden sowie die Metro-Bus-Linien pünktlicher, leistungsfähiger und verlässlicher machen. Hierfür ist auch der lange schon geforderte Umbau des Busbahnhofs Eidelstedter Platz geplant. Die Busbeschleunigung betrifft im Bereich Eidelstedt vor allem die Buslinien 4 und 21. Die Linie 4 verbindet Eidelstedt mit der HafenCity. Die Linie 21 fährt ab der U-Bahnstation Niendorf-Nord über Eidelstedt, Osdorfer Born, S-Bahn Klein Flottbek bis Teufelsbrück, Elbfähre. Darüber hinaus soll der Kartenverkauf beschleunigt werden.
Der Senat will seine Ziele in zwei Etappen umsetzen: von 2012 bis 2016 und von 2016 bis 2020. Während der ersten Etappe von 2012 bis 2016 soll der Eidelstedter Platz umgebaut werden. In diesem Zeitraum fällt auch das Programm für die Linien 4 und 21. Die Gesamtkosten für das Busbeschleunigungsprogramm bis 2020 werden von der zuständigen Wirtschafts- und Verkehrsbehörde auf 259 Millionen Euro geschätzt. RS
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