Bluttat im Vollrausch am Hornackredder

Vor Gericht: Hamza G. (zwischen dem Dolmetscher und seinem Rechtsanwalt Alexander Kienzle, r.) versteckt sich hinter einem Aktenordner. Foto: cvs
Hamburg: Hornackredder |

Prozess: Hamza G. stach auf Nachbarn ein. Dieser starb – offenbar an Herzvorerkrankung

Christopher v. Savigny, Eidelstedt
Es geschah in der Nacht zu Weihnachten 2011: Stark betrunken und mit einem Klappmesser bewaffnet, klingelt Hamza G. (52) an der Haustür seines Nachbarn Hüseyin S. in der Straße Hornackredder. Als der 62-Jährige heraustritt, kommt es zum Streit. G. zieht sein Messer und sticht es seinem Gegner viermal in den Oberkörper. Nachdem sich dessen Zustand im Krankenhaus zunächst stabilisiert, stirbt er zehn Tage später – jedoch nicht an den Verletzungen, sondern offenbar an einer schweren Herzvorerkrankung.
Deshalb lautet die Anklage gegen G. auch nur auf versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung. Derzeit muss sich der 52-Jährige vor dem Landgericht Hamburg verantworten. Unter dem Vorsitz von drei Richtern und zwei Schöffen sind zwei Sachverständige, ein Verteidiger und ein Dolmetscher zu dieser Verhandlung geladen – dazu mehrere Zeugen. Während der nächsten Verhandlungstage müssen sich die Prozessbeteiligten wohl vor allem mit dem Motiv für die Bluttat auseinandersetzen. War es Eifersucht? Oder ist G. schlicht ausgerastet? In der Anklageschrift heißt es, das Opfer habe „ein freundschaftliches Verhältnis zur Ex-Ehefrau des Angeklagten“ unterhalten.
Der Angeklagte ist ein schmächtiger, nur 1,70 Meter großer Mann. Wie er seinem Gegenüber derart schwere Verletzungen beibringen konnte, ist G. heute noch schleierhaft: „Es war doch nur ein kleines Taschenmesser“, lässt G. seinen Anwalt verlesen. Er fühle sich immer noch schlecht, obwohl er am Tod von S. nicht direkt schuld sei. An jenem Abend sei er in einem Wettbüro gewesen, zuvor habe er reichlich Bier und Raki getrunken. Die spätere Analyse bei der Polizei ergab einen Wert von knapp drei Promille. Er habe sich mit S. aussprechen wollen, so G.. Zunächst habe es nur eine Rangelei gegeben. „Aber dann war er plötzlich auf mir drauf, und ich konnte mich nicht mehr befreien.“ G. habe keine andere Möglichkeit gesehen, als sein Messer zu benutzen. „Das habe ich immer dabei, seit ich auf dem Bau gearbeitet habe.“
Mehr Erhellendes sollen jetzt Zeugen und Sachverständige beitragen. Die Verlesung des Urteils ist für Montag, 3. September, angesetzt.
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