Bier weg, zahlen oder raus!

Marc (40) wurde soeben mit seinem Bier des Bahnsteigs verwiesen und fragt sich was das Alkoholverbot soll: „Es bewegen sich viele Obdachlose und Alkoholiker in der S-Bahn. Die will man wohl verbannen.“ Foto: sk
Hamburg: St. Pauli |

Nach Strafen für Alkohol in Bus und Bahn: Wird der HVV nun sicherer und sauberer?

von St. Kozieraz
Die Abteile sind geputzt, das Abschiedssaufen Geschichte. Ab jetzt heißt es: trocken und sicher mit dem HVV. Doch wie ist die Stimmung am ersten Tag, an dem das „Wegbier“ in Bussen und Bahnen 40 Euro Strafe kos-ten kann? Das Wochenblatt hat sich umgesehen.
Sonnabend, 22 Uhr: Die ers-ten Partygänger fahren Richtung Kiez. Alle ohne alkoholische Wegzehrung wie auch Johannes (33), der seine Zweifel am Sinn der neuen Vorschrift äußert: „Dann trinken die Leute, bevor sie in die Bahn steigen. Oder sie mixen sich was in die Colaflasche.“ Damit bedient er das klarste Gegenargument, das an diesem Abend jeder Zweite äußert.
So auch der junge Punker mit Nietenlederkutte und offener Bierdose. Ihm ist das Verbot „scheißegal“. Und so prostet er mit einem gleichgesinnten Fahrgast, dessen T-Shirt mit dem Aufdruck „Schmutzfink“ sich über einen mächtigen Bauch spannt.
Doch dieser zeigt teils Verständnis für das Alkoholverbot: „Ich finde es auch eklig, wenn im Abteil alles dreckig ist und klebt. Nur: Wenn ich mich vorher total besaufe, dann kotze ich trotzdem ins Abteil.“
Solche Leute sind es wohl, die S-Bahn-Wachmann Erik (Name geändert) mit dem Begriff „Querschläger“ meint. „Die normalen Leute halten sich an die neue Vorschrift“, berichtet der Hüter der alkoholfreien Zone.
Er gibt den mit Alkohol erwischten Fahrgästen zurzeit noch drei Möglichkeiten: Aussteigen, Flasche wegwerfen oder 40 Euro zahlen. Und tatsächlich: Kurze Zeit später schickt er ein Pärchen mit Wegbier zurück die Rolltreppe hinauf.
S-Bahn-Unterführung Reeperbahn nachts um halb 11: Während der 19-jährige Schüler Sven mit seinem Bier brav dem Bahnsteig fernbleibt, aber nicht glaubt, dass das neue Verbot großartig Positives bewirkt, schlurft ein alter Mann die S-Bahn-Unterführung hinab. Er pinkelt direkt gegenüber der Dienstraum-Tür der S-Bahn-Wache in eine Ecke. Zeitgleich torkeln drei sturztrunkene Jungs aggressiv und übermütig in Richtung Gleis. „Es wäre schön, wenn die Sicherheitskräfte da sind, wo man sie braucht“, findet Marc, der mit seinem Bier des Bahnsteigs verwiesen wurde. Der 40-Jährige fügt hinzu: „Es bewegen sich viele Obdachlose und Alkoholiker in der S-Bahn. Die will man wohl verbannen.“
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