„Bannig groß geworden“

Das heutige gelbe Bürgerhaus war bis 1968 Grund- und Hauptschule, danach noch bis 1980 Sonderschule. Zuerst sollte die ausgediente Schule abgerissen werden, aber Bürger gründeten den Eidelstedter Bürgerhaus Verein und retteten so das Gebäude vor dem Abriss. (Foto: pr)

Ein Rundgang durch Eidelstedt: Vom Bauerndorf zum Großstadt-Stadtteil

Von Jasmin Bannan

Wenn man alte Eidelstedter heute fragt, wie sie ihren Stadtteil empfinden, sagen sie: Eidelstedt ist „bannig groß geworden“. Der ehemals sehr ländliche geprägte Stadtteil ist 1884 mit dem Anschluss an die Altonaer Kaltenkirchener Eisenbahn zu einem Industriestandort geworden. Im Eidelstedter Industriegebiet – beim jetzigen S-Bahnhof – siedelten sich Firmen an wie die Tivoli-Brauerei oder eine Fischmehlfabrik, die Eidelstedt zu dem unschönen Beinamen „Stinkstedt“ verholfen hat. 1981 schloss diese und die Eidelstedter Luft wurde wieder besser.
Erst im Jahre 1906 wurde die beliebte Eidelstedter Dorfkirche eingeweiht, in der bis heute viele Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und Trauerfeiern stattfinden. 1913 kam die Straßenbahn mit der Linie 39, die Eidelstedt mit Altona verband. Eidelstedt gehörte damals noch zu Preußen, und Altona war der wichtigste Bahnhof in der Nähe. Erst 1937 wurde Eidelstedt ein Stadtteil von Hamburg.

Neues Einkaufszentrum war ein großer Schritt
Mit dem Bau des Eidelstedt Center machte Eidelstedt 1986 noch einen großen Schritt in Richtung wachsenden Stadtteil: Während die Alten bedauerten, dass das beliebte „Barberina“-Kino dem Bau weichen musste, freuten sich andere über die neuen Einkaufsmöglichkeiten. 1987 wurde dann auch der mit einem Design-Preis ausgezeichnete Busbahnhof gebaut, der sich bis heute kaum verändert hat.
Erst in den 1970er-Jahren explodierten die Bevölkerungszahlen in Eidelstedt. Mit rund 2.100 Menschen im Jahre 1900 und auch noch bei 20.000 im Jahr 1960 kannte man sich: Milchprodukte und Wurst aus eigener Schlachtung bekam man beispielsweise bei Wilhelm Jentsch, der sein Ladengeschäft in der Kieler Straße 711 hatte, Obst- und Gemüse gabs bei Gerda und Heinrich Kohrs in der Kieler Straße. Das gesellschaftliche Leben fand in Ramckes Gasthof (heute Kieler Straße, Höhe Nr. 620) oder im Eidelstedter Hof (heute Kieler Straße, etwa Nr. 647) statt, dort wurde in den großen Sälen gesungen, gefeiert und gelacht.
Auch daran erinnern sich viele Eidelstedter gern: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im großen Saal vom Ramckes Gasthof das Kino die „Eidelstedter Lichtspiele“ eingerichtet, der Vorgänger des beliebten „Alabama“-Kinos. Das Kino schloss 1992, nachdem der Pachtvertrag nicht verlängert worden war. Weitere Informationen zur Geschichte Eidelstedts gibt es unter
❱❱ www.ekulturell.de/museum
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