Azubi wurde zum Höffner-Räuber

Der Angeklagte Enzo L. (20, re.) mit Freunden und Angehörigen vor dem Gerichtssaal: Ob in dem Prozess nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht vorgegangen wird, entscheidet sich laut Staatsanwaltschaft erst nach Abschluss der Beweisaufnahme. Foto: cvs

Staatsanwaltschaft: Jungen Tätern drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis

Ch. v. Savigny, Eidelstedt

Zu Beginn, sagt Luca G. (18), sei alles nur ein „Spaß“ gewesen. „Ich habe den anderen von meiner Ausbildung erzählt und dass ich jetzt an der Kasse arbeite.“ Dann kam die Idee mit dem Überfall. „Erst wurden Witze darüber gemacht“, gibt der junge Mann vor der Jugendkammer des Hamburger Landesgericht zur Protokoll. „Später haben wir uns gefragt: Was wäre, wenn?“Luca G., Yasin G. (23), Enzo L. (20), Antonio L. (19) und Veysel G. (19) stehen derzeit vor Gericht wegen schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Am 30. November 2016 überfällt das Quintett laut Anklage das Möbelhaus Höffner in Eidelstedt, wo Luca G. zu dem Zeitpunkt seit drei Monaten als Azubi beschäftigt ist. Durch dessen Hilfe verschaffen sich zwei der Täter Zugang zum Kassenbüro, in dem gerade die Tageseinnahmen gezählt werden. Sie bedrohen zwei Angestellte mit Messern, fesseln sie mit Klebeband und machen sich mit knapp 20.000 Euro Bargeld davon. Die beiden übrigen Mittäter steuern das Fluchtauto.
So weit, so gut. Oder auch: so schlecht. Denn der Raubzug verläuft am Ende weit weniger glatt, als es sich die jungen Männer – alle sollen bereits polizeibekannt sein – zunächst vorgestellt haben: Der Überfall muss verschoben werden, dann beinahe noch ein zweites Mal, weil Luca G. an dem geplanten Abend früher nach Hause geschickt werden soll. Doch der verfällt auf einen Trick und „vergisst“ seine HVV-Karte im Kassenbüro. Die vorgetäuschte Sucherei nach dem Ticket bringt zwar ausreichend Zeit – macht den Jugendlichen jedoch nachher bei der Polizei verdächtig.Schließlich und endlich das finale „Malheur“: Die beiden Räuber versäumen es schlichtweg, ihren Kumpel beziehungsweise ihr vorgebliches Opfer Luca G. zu fesseln. „Das war ja doof“, kommentiert der Richter. „Natürlich ist es das Erste, das der Polizei aufgefallen ist.“Bis auf den Beifahrer des Fluchtautos, Enzo L., sitzen alle Angeklagten in Untersuchungshaft. Yasin G. und Veysel G. müssen sich zudem wegen eines weiteren Überfalls auf einen Kiosk im Bahnhof Diebsteich verantworten. Einige der Täter haben bereits von sich aus finanzielle Entschädigungen an die Opfer – die beiden Frauen im Kassenraum – geleistet. Laut Staatsanwaltschaft drohen Haftstrafen von bis zu 15 Jahren. Angesetzt sind 18 Prozess-tage, der letzte am 10. Oktober.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.