Angst vor jungen Flüchtlingen?

In Eidelstedt sollen 39 jugendliche Geflüchtete eigenständig leben – warum Anwohner skeptisch sind

Ein Wohnhaus nur für junge Flüchtlinge in Eidelstedt - da machen sich einige Bürger nach den Silvestervorfällen auf St. Pauli Sorgen. Doch es gibt keinen Anlass dafür, pauschal Menschen unter Verdacht zu stellen – die wichtigs-ten Fragen und Antworten.

Worum geht es?
An der Lohkampstraße/ Ecke Zweigweg wird ein Wohnhaus fertiggestellt, in das jugendliche unbegleitete Flüchtlinge einziehen werden. Der städtische Landesbetrieb Erziehung und Beratung (LEB) will das Haus für zehn Jahre anmieten. In den 14 Wohnungen sollen 39 junge Flüchtlinge im Alter zwischen 16 und 21 Jahren unterkommen. Sie leben in einer Art Wohngemeinschaft zusammen, versorgen sich selbst, gehen teilweise zur Schule oder beginnen eine Ausbildung.

Sind die Bewohner auf sich selbst gestellt?
Nein. Vom LEB werden insgesamt acht Fachkräfte für das Wohnhaus beschäftigt – in der Regel Sozialarbeiter. Sie sollen die Jugendlichen dabei unterstützen, selbstständig ihr Leben zu gestalten. Das Personal ist auch tagsüber und teilweise abends vor Ort. Zudem wird ein Wachdienst engagiert, der auch nachts da ist und für eine durchgehende Aufsicht sorgt, so Bettina Bormann, Sprecherin des LEB.

Welche Befürchtungen gibt es?
Nach den Übergriffen zu Silvester auf junge Frauen hegen einige Bürger offenbar einen Generalverdacht gegenüber jungen Männern, die als Flüchtlinge oder Zuwanderer nach Deutschland kommen. Ein Bürger aus Eidelstedt fragt mit Blick auf den Einzug von Flüchtlingen in das Jugend-Wohnhaus: „Ist das nach den wiederholten Übergriffen auf Mädchen und junge Frauen, über die die Medien berichteten, noch vertretbar?“

Was lässt sich dazu sagen?

„Die Befürchtungen des Anwohners sind grundsätzlich nachvollziehbar, insbesondere wenn man an die Berichterstattung in den vergangenen Wochen denkt. Wir möchten jedoch darauf hinweisen, dass sich der Löwenanteil der jungen Flüchtlinge, die in Einrichtungen des LEB leben und betreut werden, an die Gesetze hält und dankbar die Chance ergreift, sich in Deutschland eine Zukunft aufzubauen“, so Bormann.

Sexuelle Gewalt: Hausgemacht
Seit den Silvesterübergriffen wird viel über junge Männer und sexuelle Gewalt diskutiert, nicht immer basieren Argumente und Meinungen auf Fakten. Ein paar Tatsachen: Laut Statistiken sind sexuelle Übergriffe durch Fremde – egal welcher Herkunft – eher die Ausnahme als die Regel. Werden junge Frauen oder Mädchen belästigt, stammen die Täter zum überwiegenden Teil aus dem engeren oder weiteren Umfeld des Opfers – sind also Verwandte, Nachbarn, Bekannte oder Freunde. Mit anderen Worten: Sexuelle Gewalt ist meist hausgemacht und wird nur zu einem geringen Anteil von Fremden ausgeübt.
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