AKN-Ausbau: Zweifel am Nutzen

Bürgerinitiative rechnet Planern Fehlkalkulation vor

gerd Eichbaum, eidelstedt

Schon das Kürzel S 21 weckt ungute Gedankenverbindungen. Stuttgart, Trickserei bei der Planung, Missachtung kritischer Bürgerinitiativen. Soweit ist es beim geplanten zweigleisigen Ausbau der AKN-Strecke von Eidelstedt nach Kaltenkirchen zur zukünftigen S-Bahn-Linie 21 noch nicht. Aber die „Bürgerinitiative Bahnstraße“ hält an ihrer Kritik an der derzeitigen Version der Umsetzung fest.
„Wir halten eine bessere ÖPNV-Anbindung des nördlichen Hamburger Umlands für absolut erstrebenswert und verschließen uns nicht grundsätzlich einem sinnvollen Ausbau“, stellt sie erstmal klar. Doch dann geht es ans Eingemachte.
Ein Gegengutachten des renommierten Münchener Planungsbüros Vieregg-Rössler hat gravierende Mängel am offiziellen Gutachten des Planungsbüros Intraplan, das Grundlage des Planfeststellungsverfahrens ist, festgestellt. Selbst in einer nach einem Gespräch der Initiative mit Intraplan überarbeiteten Version. Der Kernpunkt: Der errechnete Kosten-Nutzen-Faktor liege mit bis zu 0,08 deutlich unter dem gesetzlich geforderten Faktor 1. Erst ab diesem Wert werde ein Projekt aus Steuergeldern bezuschusst, so die Bürgerinitiative. Intraplan hatte einen Kosten-Nutzen-Faktor von 1,12 errechnet.

Gegenstudie schlägt Verbesserungen vor


Die Vieregg-Rössler-Studie zeigt aber auch Optimierungsmöglichkeiten auf. So könnten beispielsweise die Zwei-System-Züge der S3 oder S4 nach Kaltenkirchen fahren. Sie holen ihren Strom entweder über den Fahrdraht oder die Stromschiene. Ferner ließe sich die Wirtschaftlichkeit stark erhöhen, würde der Zug spätestens ab Quickborn als Kurzzug weiterfahren. Ebenso könne eine stärker motorisierte Version des „ET 490“ die betriebswirtschaftliche Effizienz verbessern und die Fahrzeit verkürzen. Die neuen S-Bahn-Züge sollen von Ende 2018 an im Regelbetrieb eingesetzt werden.
Ein wenig Hoffnung gibt es noch bei der Bürgerinitiative, dass die norddeutsche Variante von S21 nicht so endet wie die süddeutsche und dass von der Landespolitik ins Gespräch gebrachte gemeinsame Treffen mit den Planern wirklich stattfinden. „Aber mit jedem vergeudeten Tag steigen Resignation und Wut“, so die BI.

Das ist geplant
Zwischen Eidelstedt und Kaltenkirchen soll zukünftig die Linie S 21 fahren. Entlang der knapp 30 Kilometer langen Strecke müssen dafür Stromleitungen verlegt und Bahnsteige auf S-Bahn-Länge ausgebaut werden. Bisher wird diese Strecke noch von den dieselbetriebenen Zügen der AKN befahren. Doch diese stoßen immer mehr an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Verkehrsbehörde rechnet derzeit für 2018 mit dem Baubeginn, ab 2020 soll die neue S 21 rollen. Geschätzte Kosten: etwa 75 Millionen Euro.
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