Abgehängt in der Sardinenbüchse

Viel genutzt: die Metrobuslinie 2 fährt durch Lurup zur Haltestelle Trabrennbahn - dort müssen alle umsteigen, die per Bus weiter in die Hamburger Innenstadt wollen. Ergänzt wird die Linie 2 durch den Nachtbus 602. Der fährt nachts einmal die Stunde, am Wochenende aber gar nicht. (Foto: ch)

Luruper klagen: Wir haben nur einen Bus - und der ist immer voll

von Christiane Handke, Lurup - Ein Artikel im Wochenblatt hat Angela Hirschhoff erbost. Darin ging es um die schlechten Busverbindungen vom Osdorfer Born in die Stadt. Es gibt dort nur drei Buslinien. Angela Hirschhoff meint dazu: „‘Nur’ drei Buslinien? Was beschweren die sich? Wir hier in Lurup haben nur eine einzige - die Linie 2. Und die ist immer voll wie eine Büchse Ölsardinen.“
Das Wochenblatt sah sich vor Ort an der Bushaltestelle „Flurstraße Nord“ um. Dort warteten um neun Uhr morgens rund zehn Leute auf den Bus. Kurze Umfrage unter den Wartenden, vom Schulkind bis zur Pendlerin. Alle bestätigen: „Ja, der Bus ist sehr voll, vor allem morgens und ab mittags auch auf dem Rückweg nach Lurup“. Andrea Kürner, regelmäßige Busfahrerin, fügt hinzu: „Der Bus wird drei Haltestellen von hier leer eingesetzt. Wenn er hier ankommt, ist oft kein Sitzplatz mehr frei.“
Schlimm ist das besonders für die gehbehinderte Angela Hirschhoff, die gelegentlich einen - allerdings zeitraubenden - Trick anwendet, um an einen Sitzplatz zu kommen: „Ich fahre in die falsche Richtung, also zur Endhaltestelle Schenefelder Platz. Dort steige ich in den Bus Richtung Altona, der startet da.“
Aber nicht nur die drangvolle Enge ist ein Problem: „Wir Luruper haben im Gegensatz zu den Leuten vom Osdorfer Born nicht eine einzige durchgehende Buslinie in die Hamburger Innenstadt.“
Das stimmt. Wer von Lurup per Bus in die Hamburger Innenstadt fahren will, muss am Knotenpunkt Bahrenfeld Trabrennbahn umsteigen. Und die Anschlüsse sind schlecht getaktet: „Da fährt einem die Nummer 3 ständig vor der Nase weg“, schimpft Hirschhoff.
Sie befürchtet: Das wird alles noch schlimmer. „Zurzeit werden hier Hunderte von Wohnungen gebaut. Wir haben ein neues Einkaufszentrum. Wo sollen die ganzen Leute denn hin? Man hat fast das Gefühl, die ärgern uns Luruper extra!“
Gertrud Barth pflichtet ihr bei. Sie wohnt seit 30 Jahren in Lurup, hat nie einen Führerschein gehabt, war immer auf den Bus angewiesen. Ihr Eindruck: „Die Busverbindungen sind über die Jahre immer schlechter geworden.“
Gibt es Pläne bei den Hamburger Verkehrsbetrieben HVV, die Luruper besser mit Bussen zu versorgen? Pressesprecherin Silke Seibel: „Kurzfristig ist nichts geplant, aber wir haben das Problem im Auge.“

Hintergrundinfos:
Hamburg setzt sein Busbeschleunigungsprogramm um. Bringt das den Lurupern Entlastung? Ja, sagt Henrik Strate, Verkehrsexperte der SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung Altona: „Die Buslinien 2 und 3 sollen am Knotenpunkt Ebertplatz/Trabrennbahn besser aufeinander abgestimmt werden.“ Das Programm bringt gar nichts, meint dagegen CDU-Verkehrsexperte Tim Schmuckall: „Die Beschleunigung bewegt sich in einem Bereich von Millisekunden. Hier wird viel Geld für nichts rausgeschmissen. Was den Nutzern der Linie 2 wirklich helfen würde: Größere Busse in schnelleren Abständen.“
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.