80.000 Euro zu viel gezahlt

In einer Wohnanlage in Stellingen fanden Mieter heraus, dass viel zu hohe Heizkosten abgerechnet werden. Es geht um etwa 240 Euro jährlich pro Wohnung. (Foto: panthermedia)

Mieter decken falsche Abrechnungen bei Betriebs- und Heizkosten auf

Von Carsten Vitt, Stellingen

Hamburgs Mieter zahlen häufig überhöhte Beiträge für Betriebs- und Heizkosten. Der Mieterverein zu Hamburg schätzt, dass jährlich etwa zehn Millionen Euro falsch abgerechnet werden. Es lohnt sich, die Rechnungen genau zu überprüfen. Ein Beispiel aus Stellingen.Warnstedtstraße 59, 168 Wohnungen: 2014 zogen die ersten Bewohner in das Neubaugebiet ein. Nach der ersten Abrechnung für Heiz- und Betriebskosten wurden manche Mieter stutzig. Christina Hornung zum Beispiel wunderte sich darüber, dass „wir für nur 16 Tage Heizkosten in Höhe von 86,77 Euro verursacht haben sollen“.
Sie fragte bei der Verwaltung, der Buwog Immobilien Management GmbH, nach, und bekam erst auf mehrfaches Drängen häppchenweise Informationen. Der Neubaukomplex wird über ein Blockheizkraftwerk mit Wärme versorgt. Dabei hat der Betreiber offenbar einen viel zu hohen Preis angesetzt. Nach Recherchen der Mieterin werde für die Fernwärme ein Festpreis berechnet, „der in 2014 doppelt so hoch war wie der marktübliche Gaspreis plus Gewinnmarge“. Auch andere Nachbarn hatten sich mit den Abrechnungen beschäftigt und stießen auf Ungereimtheiten. „Wir hatten Fragen über Fragen, uns wurden aber nur argumentativ nicht nachvollziehbare und teilweise widersprüchliche Antworten geliefert“, so Hornung.
Eine Gruppe Mieter schloss sich zusammen und übergab die Sache dem Mieterverein. Dessen Experten stellten schließlich fest, dass der Fernwärmebetreiber über Jahre viel zu hohe Kosten abgerechnet hatte. Pro Wohnung geht es dabei um etwa 240 Euro jährlich. Für alle Mietparteien zusammen beläuft sich die Summe auf 80.000 Euro.
Christina Hornung ist froh, dass durch den Mieterverein etwas erreicht wurde. Aber ganz ausgestanden ist die Sache noch nicht. Nach wie vor sei strittig, wie hoch die Heizkosten sein dürfen. Das werde immer noch ausgehandelt zwischen der Buwog und dem Mieterverein.
Der Verwalter selbst will sich zu dem Fall nicht äußern.

Mieterverein: Rechnung immer prüfen

Der Deutsche Mieterbund schätzt, dass bundesweit die Hälfte der Abrechnungen fehlerhaft ist. Mieter sollten also rechtzeitig genau hingucken bei Betriebs- und Heizkosten. „Jeder Mieter, der die Abrechnung nicht innerhalb von zwölf Monaten beanstandet und notfalls eine Belegprüfung vornimmt, verliert alle Ansprüche und geht leer aus“, sagt Siegmund Chychla, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg. Selbst wenn am Ende ein Guthaben stehe, sollten Mieter die Posten überprüfen. „Abrechnungsguthaben werden sehr oft durch zu hohe Vorauszahlungen verursacht und sind kein Beleg für eine fehlerfreie Nebenkostenabrechnung“, so Chychla.In Hamburg gibt es etwa 700.000 Haushalte, die zur Miete wohnen. Nach Schätzungen des Mietervereins zahlen Hamburger wegen fehlerhafter Abrechnungen etwa 10 Millionen Euro jährlich zu viel.

Der Mieterverein bietet einen Online-Check an:
❱❱ online-checks.mieterverein-hamburg.de
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