100 Jahre – und sie kocht noch selbst!

Gretchen Döring ist 100 Jahre alt- und versorgt sich noch selbst. (Foto: jbd)

Gretchen Döring aus Eidelstedt feiert ihren 100. Geburtstag

Von Jasmin Bannan, Eidelstedt – Meistens wird der Begriff „rüstig“ verwendet, wenn ältere Menschen noch gut zurechtkommen. Für Gretchen Döring wäre „rüs-tig“ fast eine Beleidigung: In Jeans, modischer weißer Bluse und mit dezent lackierten Fingernägeln schmeißt die zarte Frau ihren Haushalt, kauft selber ein und kocht jeden Tag die Gerichte, die sie sich am Vorabend überlegt hat. Vorigen Sonntag ist die Eidelstedterin 100 Jahre alt geworden.
Ihre große Stütze ist ihr Schwiegersohn Ulrich, der in Ahrensburg lebt. „Er erledigt große Einkäufe mit mir, kümmert sich um meine Bankgeschäfte und hat auch meinen Geburtstag organisiert. Nachdem meine Tochter gestorben ist, ist er meine wichtigste und liebste Bezugsperson.“ Leicht hat es Gretchen Döring nicht gehabt: Sie wuchs in Uhlenhorst als jüngstes von drei Geschwistern auf. Im Zweiten Weltkrieg verfehlte eine Bombe sie und ihre Familie nur knapp, die Familie floh nach Barmbek und von dort nach Finkenwerder. Unruhige Jahre, die von Angst und Flucht geprägt waren. Ihr späterer Mann war als Soldat in Gefangenschaft.
Nach dem Krieg kam Tochter Gisela zur Welt, Gretchen Döring wurde Hausfrau und genoss das Familienleben. 1953 zog die kleine Familie in das Eidelstedter Blumenviertel und war endlich angekommen. Gretchen Dörings Augen strahlen immer, wenn sie aus ihrem Leben erzählt – doch sie verdunkeln sich, als sie vom frühen Tod der Tochter Gisela durch den Krebs und dem Tod ihres Mannes berichtet. „Beide sind zu früh gegangen, viel zu früh, aber ich konnte es nicht aufhalten“, so die weißhaarige Dame traurig.
Eine große Stütze in schweren Zeiten waren Freunde, mit denen sie durch den Volkspark spazierte, damals noch mit ihren Hunden, lustigen und frechen Cocker-Spanieln. „Jetzt, wo ich nicht mehr so gut zu Fuß bin, kümmern sich die Nachbarn rührend um mich und leisten mir hin und wieder Gesellschaft – diese tolle Nachbarschaft ist wirklich nicht in Gold aufzuwiegen“, freut sich Gretchen Döring. An einem Umzug in ein Seniorenheim denkt die 100-Jährige übrigens überhaupt nicht: „Ich bleibe hier, bis zuletzt“, sagt sie.
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