Plötzlich obdachlos

Natalia Nebylitsa (27) hat jahrelang gut verdient. Jetzt steht sie vor dem Nichts.

Ehemann wirft seine Frau (27) raus und meldet sie ohne ihr Wissen beim Einwohneramt ab – Behörde: Abmeldung rechtmäßig

Bis vor kurzem hat Natalia Nebylitsa als selbstständige Kosmetikerin richtig gut verdient, ihr Salon im Erdgeschoss eines Reihenhauses in der Großen Straße lief gut. Doch von einem Tag auf den anderen war Schluss mit dem sorgenfreien Leben: Nach einem Streit warf ihr Mann sie nicht nur aus dem Haus, sondern meldete sie auch ohne ihr Wissen beim Einwohneramt ab. Jetzt ist die 27-Jährige obdachlos, offiziell: ohne festen Wohnsitz. „Ich hätte nicht gedacht, dass man so schnell so tief fallen kann“, sagt sie.
Pelzjacke und teure Lederstiefel erinnern an gute Zeiten, können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Natalia Nebylitsa schwer angeschlagen ist. Nach dem Rauswurf vor fünf Wochen wusste sie zunächst nicht, wohin, schlief im Frauenhaus und am Hauptbahnhof, bis sie schließlich bei einer Freundin unterkommen konnte. „Doch auch da kann ich nicht ewig bleiben“, sagt sie.
Nach der Hochzeit 2007 zog sie ins Haus ihres Mannes, einem Syrer, eröffnete dort ihr Kosmetikstudio. „Ich verdiente doppelt so viel wie er“, erzählt sie. Trotzdem hatte sie kein eigenes Bankkonto, ihre Kunden zahlten immer bar. Da ihr Mann geschieden und verschuldet war, habe sie ihn finanziell unterstützt. „Er bediente sich aus meiner Geldbörse, ich wusste nie, wieviel drin war – ich war so dumm!“
Jetzt steht sie auf der Straße, ohne Geld, ohne Wohnsitz und vor allem ohne Job. „Ich kann nicht arbeiten, weil mein Mann mich nicht an meine Arbeitsmaterialien lässt!“ Offenbar versucht der Ehemann, die teuren Sachen zu verscherbeln. Doch dazu hat er laut Anwalt Heinrich Mojen kein Recht: „Die Arbeitsmaterialien gehören meiner Mandantin, sie hat alles bezahlt.“ Am 6. März wird der Fall vorm Amtsgericht verhandelt.
Doch auch wenn das gut ausgeht, ist Natalia Nebylitsa immer noch ohne Obdach. Durfte ihr Mann sie ohne ihr Wissen einfach so abmelden? „Ja“, erklärt Petra Schulz, Sprecherin des Harburger Bezirksamts. Als alleiniger Hauseigentümer habe er das Recht und die Pflicht, zu melden, wer in seinem Haus wohnt. Im Einwohneramt ist man sich der verzweifelten Lage der jungen Frau bewusst.
„Wir haben Frau Nebylitsa dringend geraten, sich schnells-tens irgendwo anzumelden“, so Schulz. Denn ohne Meldeadresse sei es schwierig, eine neue Wohnung zu finden.
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