Letzter Akkord im Musikhaus Lebens

Hans Georg Tressat und Buchhalterin Susanne Kailuweit verkaufen die Restbestände zu Sonderpreisen. Nach 131 Jahren schließt das Musikhaus Lebens für immer.

Nach 131 Jahren: Musikfachgeschäft am Sand schließt – Räumungsverkauf bis zum 15. September

Mir ist ein Steg an meiner Gitarre gebrochen, können Sie mir vielleicht helfen?“ Der junge Mann guckt Hans Georg Tressat vom Musikhaus Lebens hoffnungsvoll an. „Na klar, können wir“, strahlt dieser. „Solche Ersatzteile hat kein Mensch mehr, aber wir schon!“ Allerdings wird es mit diesem Service bald vorbei sein, denn das Fachgeschäft am Harburger Sand macht zum 15. September dicht.
Nach 131-jähriger Firmengeschichte muss das traditionsreiche Familienunternehmen nun schließen, weil kein Nachfolger gefunden wurde. „Heutzutage will keiner mehr ein Risiko eingehen“, sagt Tressat. Zwar laufe der Laden gut, doch trotzdem hätte sich keiner getraut, in die Fußstapfen der Geschäftsführer zu treten. „Auch wir bekommen natürlich die Konkurrenz durch das Internet zu spüren“, so der Fachverkäufer. Manchmal kämen Kunden mit einem billig erstandenen Instrument aus dem Internet und wunderten sich, dass es nicht gut klinge. Tressat: „Ja, was glauben die denn? Eine Geige für 70 Euro, das kann doch nur ‘ne Gurke sein!“
Seit über 40 Jahren führt der 63-Jährige gemeinsam mit Birgitt Wichert (66) und Wolfgang Wichert (64) den „musikalischen Gemischtwarenladen“ mit Instrumenten, Noten und Reparaturwerkstatt. „Bis vor drei Jahren hatten wir auch noch eine eigene Musikschule im Haus“, so Tressat. Rund 100 Schüler seien im oberen Stockwerk unterrichtet worden.
In seinen besten Zeiten hatte das Musikhaus 13 Angestellte und etliche Lehrlinge, heute sind es noch vier. Die nächsten Fachgeschäfte dieser Art sind weit weg: in Stade und Bergedorf. Während die drei Geschäftsführer bereits das Rentenalter erreicht haben, sucht Buchhalterin Susanne Kailuweit nach 27 Jahren im Musikhaus Lebens nun einen neuen Job. „Ein paar Jahre muss ich noch“, so die 62-Jährige.
Bis zum 14. September ist bei Lebens „Totalausverkauf“. Das mehrstöckige Haus wurde nach zehnjährigem Bemühen verkauft, angeblich an einen chinesischen Geschäftsmann, der dort ein Guesthouse eröffnen will. Hans Georg Tressat mag das nicht kommentieren, verspricht aber so viel: „Hier kommt weder eine Döner-Bude noch ein Ein-Euro-Laden rein!“
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2 Kommentare
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Tanja Schröder aus Wilhelmsburg | 17.07.2013 | 22:45  
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Norbert Schacht aus Harburg | 20.07.2013 | 17:35  
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