„Wir geraten unter Generalverdacht“

Ayse hat einen rosa eingebundenen Koran. „Den hat mir meine Tante geschenkt, weil ich schon Arabisch lesen kann“, erklärt die Neunjährige. Foto: KI

Muslime der Neugrabener Moschee Yildiz Camii nehmen Stellung zu den Anschlägen in Paris.

Von Karin Istel. Seit dem Terroranschlag auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ wird allen Muslimen zunehmend mit Skepsis und Angst begegnet. Wie sehen das die Muslime? Das Elbe Wochenblatt hat sich in der Neugrabener Moschee Yildiz Camii umgesehen und bei Mustafa Cezayirli, dem Vorstandsvorsitzenden der Moschee, nachgefragt.
Was sagen Sie zu den Anschlägen in Paris?
Mustafa Cezayirli: „Wir verurteilen die Anschläge und distanzieren uns von dem Mord.“
Welche Konsequenzen haben die Anschläge auf Ihre Gemeinde?
„Wir geraten unter Generalverdacht. Wir als Muslime müsen uns leider immer rechtfertigen für etwas, was wir nicht getan haben und von dem wir uns distanzieren. Das verletzt uns als religiöse Menschen. Es macht uns müde, dass wir uns immer wieder von Anschlägen distanzieren müssen, die wir nicht begangen haben. Erst der 11. September 2001, jetzt Paris.“

Wissen Sie, ob sich in Ihrer Gemeinde Jugendliche radikalisiert haben?

„Uns ist nichts bekannt. In unserer Gemeinde hat sich keiner radikalisiert.“

Was sagen Sie zu den jüngsten Karikaturen in „Charlie Hebdo“?
„Ich habe die Karikatur nicht als Bild gesehen. Wir sind generell für Meinungsfreiheit. Aber wir sind auch der Meinung, dass man den Frieden in der Bevölkerung suchen muss. Wir wären auch empört, wenn es nicht um Mohammed, sondern Jesus oder Abraham ginge. Das sind religiöse Themen, die man sehr sensibel behandeln muss.“

Was lösen die Pegida-Demonstrationen bei Ihnen aus?
„Wir fühlen uns verletzt! Schon der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff sagte: Der Islam gehört zu Deutschland. Das bekräftigte kürzlich Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und so fühlen wir uns auch: Deutschland ist unsere Heimat. Wir sind Hanseaten. Wir leben gern hier, fühlen uns hier sehr wohl.“

Haben Sie Kontakte im Stadtteil?
„Ja, natürlich! Wir haben gute Kontakte beispielsweise zu den evangelischen Kirchengemeinden Michaelis und Cornelius, machen beim Stadtteilfest „Neugraben erleben“ mit. Wir sind Hamburger!“
Die Antworten gab Mustafa Cezayirli auf Türkisch. Sie wurden von Engin Aytekin, Öffentlichkeitsbeauftragter

Der Islam

Er ist eine Ein-Gott-Religion, die im frühen siebten Jahrhundert in Arabien durch den Propheten Mohammed gestiftet wurde. Mit 1,6 Milliarden Anhängern ist der Islam nach dem Christentum (ca. 2,2 Milliarden Anhänger) heute die zweitgrößte Weltreligion. In Hamburg leben schätzungesweise 120.000 Muslime.
Der Begriff Islām (islām / ‏إسلام‎) leitet sich von dem arabischen Verb aslama ab und bedeutet „Unterwerfung (unter Gott)“. Quelle: Wikipedia
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