„Viele sind bis heute nicht integriert“

Vor dem Lilien-Symbol: Murat, Ahmet, Mujo, Sabina, Semso, Dzevad, Nihad und Sasa (v.l.) von der „Bosniakischen Kulturzentrale Deutschland“. Foto: WW

Im kleinen Häuschen An der Falkenbek 6 hat der Verein
„Bosniakische Kulturzentrale Deutschland“ seinen Sitz

W. Wittenburg, Neugraben

Früher war hier ein Blumenladen. Dann stand das kleine, weiße Gebäude An der Falkenbek 6 jahrelang leer. Nun hat hier der Verein „Bosniakische Kulturzentrale Deutschland“ seinen Sitz. Rund 8.000 Bosnier gibt es in Hamburg, 200 davon sind Mitglieder in dem ausschließlich ehrenamtlich betriebenen Verein.
„Wir bieten Bosnien-Auswanderern eine Anlaufstelle“, sagt der Vorsitzende Sasa Olevic (37). „Jeder von uns ist irgendwann einmal aus Serbien, Montenegro oder Bosnien-Herzegowina nach Deutschland gekommen. Alle haben sich mit ihrem Leben hier arrangiert, viele sind aber bis heute noch nicht integriert. Genau da setzen wir mit unserem Kulturverein an, denn unser Motto lautet: Gemeinsam sind wir stärker.“
Fleiß und Tatendrang hat das Projektteam aus drei Frauen und neun Männern bereits unter Beweis gestellt, als es innerhalb von drei Monaten das alte kleine Häuschen zum Vereinsheim mit moderner Büroecke und Schulungsraum saniert und umgebaut hat. Ein kultureller Anlaufpunkt für Bosniaken in Hamburg fehlte bis dahin. Vor allem für Kinder und Jugendliche will der Verein die bosnische Kultur pflegen, damit die serbokroatische Sprache nicht verloren geht und traditionelle Werte wie Familie und Esskultur erhalten bleiben.
Sasa Olevic – im Hauptberuf Wirtschaftsinformatiker – zählt auf, was es im Verein noch gibt und was er sich wünscht: „Wir verstehen uns als Integrations-Lotsen und bieten Hilfe im Umgang mit Behörden, bei Telefonaten, beim Schriftverkehr, und wir begleiten zu den Ämtern. Außerdem gibt es bei uns einen dreimonatigen Deutschkurs. Wir würden gern mit Schulen und Sportvereinen in Kontakt kommen, um Kindern sportliche Betätigung wie Fußball, Tanz und Folklore anbieten zu können.“
Finanziert werden die Aktivitäten des Vereins ausschließlich durch die Mitglieder. Geld von der Stadt Hamburg gibt es keins.

Bosnier oder Bosniaken?
Bosnier bezeichnet heute meist die Staatsangehörigen Bosniens und Herzegowinas, teilweise auch nur die Einwohner des Landesteils  Bosnien, unabhängig davon, welcher Religion oder Volksgruppe sie angehören.
Bosniaken sind eine südslawische Volksgruppe. Ihr gehören etwa drei Millionen Menschen an, die primär in Bosnien und Herzegowina, Serbien und Montenegro leben.
Die Bezeichnung für alle Einwohner Bosniens – unabhängig ihrer ethnischen Zugehörigkeit – lautet Bosnier. WW
Bosniakischer Kulturzentrale Deutschland e.V.
An der Falkenbek 6
Tel. 0176-85 39 23 51
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.