Vater überfuhr „unabsichtlich“ die erste Gitarre seines Sohnes

Bernhard Preuss (r.) überreicht Peter Schuldt für dessen musikalisches Engagement den Finkenwerder Apfel. Foto: pr

Jetzt bekam der mittlerweile erwachsene Sohn, Peter Schuldt, den Finkenwerder Apfel für sein musikalisches Engagement verliehen

Von Karin Istel. Gespannte Stille lag über der Aula der Stadtteilschule Finkenwerder: Wem würde der Kulturkreis in diesem Jahr den Finkenwerder Apfel verliehen? Als der Name Peter Schuldt genannt wird, brandet Applaus in der Aula auf. Er ist der 24. „Apfel-Geehrte“ seit der ersten Preisverleihung im Jahre 1992.
Peter Schuldt war sichtlich ergriffen über die Auszeichnung und freute sich über die Laudatio, die sein früherer Förderer Hermann Rauhe auf ihn hielt. So richtig einfach war es früher für den kleinen Peter nämlich nicht, seine Leidenschaft für die Musik auszuleben.
Als Sohn eines Obstbauern und einer Mutter, die aus einen alten Fischerfamilie stammt, ist Musik für den Vater „Tüdelkram“. Als der kleine Peter sich dennoch das Geld für seine erste Gitarre heimlich verdiente und die Gitarre unter einem Baum liegen ließ, fährt der Vater mit dem Trecker drüber. Trotz dieses unglücklichen Anfangs einer Musikerkarriere ließ sich Peter Schuldt nicht beirren: Er wollte Musiklehrer werden.
Später lernt Peter Schuldt Industriekaufmann, bleibt der Musik jedoch immer treu, übt auf vielen Instrumenten, spielt in Bands und probt im Kühlhaus. Er bringt sich nach Gehör Soli von Jimi Hendrix bei, arbeitet sich dann an die Musikhochschule vor, schafft mit kaum 20 Klavierstunden die Aufnahmeprüfung, singt im Hochschulchor und lernt, wie man Chöre leitet.
Anerkennung zollte sein Vater jedoch erst, als die Finkenwerder Liedertafel Harmonie von 1865 den langhaarigen 20-Jährigen aufnahm und ihn als neuen Chorleiter akzeptierte. Staunend erlebte Vater Schuldt, wie sich die Finkenwerder Honoratioren von seinem Sohn anstecken ließen und so aus dem heimatverbundenen Altherrenverein ein schwungvoller Chor wurde. Das Repertoire wurde moderner, neben Klassikern stehen bis heute auch Popmusik, Gospel, Musicals, Schlager und Shantys auf dem Programm.
Peter Schuldt verwirklichte seinen Berufswunsch. Als Musiklehrer gründete er an der Gesamtschule Harburg vor 15 Jahren den Chor „Gospel Train“ und leitet das mittlerweile aus 52 Schulchören bestehende Musik-projekt „Young ClassX“.  
In den nächsten Monaten wird er häufig auf Finkenwerder zu sehen sein:  Er wird mit der Liedertafel Harmonie für die Jubiläumsveranstaltung am letzten Augustwochenende proben – natürlich auf Platt. Dann feiert der Männerchor ganz groß sein 150-jähriges Bestehen.

Finkenwerder Apfel

Seit 1992 wird der Finkenwerder Apfel jährlich für die Gestaltung des Kulturlebens auf der ehemaligen Elbinsel verliehen – außer in den Jahren 1998 und 1999. Dafür gab es in den Jahren 1992 und im darauffolgenden Jahr je zwei Preisträger. Peter Schuldt wurde jetzt der 24. Apfel verliehen. Den Apfel fertigt der Finkenwerder Kunsthandwerker Peter Baron aus Edelholz an.
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