Trotz Behinderung eine große Hilfe

Seit elf Jahren arbeitet Maike Pflästerer im Freilichtmuseum am Kiekeberg. Seit neuestem unterstützt sie auch die Museumspädagogen bei deren Arbeit mit Schulklassen. Hier befüllt sie mit einem Schüler eine Windfege, mit der früher die Spreu vom Weizen getrennt wurde. Fotos: re

Am Kiekeberg helfen Behinderte bei der Museumsarbeit

von Rosa Ende, Ehestorf

Für Maike Pflästerer ging in diesem Jahr ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Schon immer träumte die behinderte Frau davon, mit Kindern zu arbeiten. Seit ein paar Monaten unterstützt die 38-Jährige, die während der Geburt einen Sauerstoffmangel erlitt, die Museumspädagogen im Freilichtmuseum am Kiekeberg bei ihrer Arbeit mit Schulklassen. Je nach Thema hilft sie beim Kochen von Buchweizengrütze, beim Buttern, assistiert bei Wasserexperimenten oder führt das Dreschen vor. „Am meisten begeis-tert mich bei der Arbeit die Begeisterung der Kinder. Es ist toll, mit welcher Freude sie dabei sind“, schwärmt Pflästerer.
Während die Kinder ihre Behinderung gar nicht wahrzunehmen scheinen, ist Museumspädagogin Ursel Thonfeld (64) ganz erfreut: „Ich arbeite gerne mit ihr zusammen. Sie denkt mit und hat die Arbeitsabläufe und die Kinder gut im Blick.“
Beschäftigt ist Pflästerer über die Lebenshilfe Lüneburg-Harburg, einem gemeinnützigem Unternehmen, das Behinderte berät und unterstützt, Arbeits- und Wohnmöglichkeiten vermittelt, aber auch eigene Werkstätten und Wohngruppen betreibt.
Die Zusammenarbeit zwischen beiden Einrichtungen währt nun schon 23 Jahre. „Damals wollten wir uns regional und sozial engagieren. Dabei war uns von Anfang an wichtig, die Menschen mit Behinderungen nicht zu verstecken“, erinnert sich Museumsdirektor Rolf Wiese. Die anfangs befürchtete Hänseleien blieben nahezu aus.
Während die Gruppe damals aus fünf Menschen mit Behinderungen bestand, arbeiten mittlerweile zwölf im Museum. Sie kümmern sich um die Grünflächen und die Tiere, bereiten Veranstaltungen vor oder nach oder übernehmen Postaufgaben.
Für ihre Arbeit bekommen sie zwischen 150 und 450 Euro von der Lebenshilfe, die wiederum Geld vom Museum erhält. „Die meisten Beschäftigten erhalten noch staatliche Leistungen wie Sozialhilfe. Die Vergütung variiert entsprechend und ist gesetzlich verankert“, erklärt der Ernst-Albrecht von Moreau, Geschäftsführer der Lebenshilfe. Dass sie hier deutlich weniger als auf dem ersten Arbeitsmarkt verdient, nimmt Maike Pflästerer gerne in Kauf. „Ich habe früher draußen gearbeitet und gemerkt, dass ich dem nicht gewachsen bin. Hier kann ich mich weiterentwickeln. Hier fühle ich mich wohl.“
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