Sich einmal richtig satt essen

Steffen war einer der Feiernden. Er versucht, sich mit Minijobs über Wasser zu halten. „Ich hole hier Essen, weil das Geld einfach nicht reicht.“ Foto: ki

Weihnachtsfeier beim ökumenischen Frühstück für Obdachlose und Bedürftige

Karin Istel, Neugraben
Dieses kostenlose Frühstück im großen Gemeindesaal von Heilig Kreuz ist etwas Besonderes: Anstatt von Wurst- und Käsebroten gibt es deftigen Grünkohl, Würste und Schweinebauch. Die ehrenamtlichen Helfer des ökumenischen Frühstück für Obdachlose und Bedürftige haben im festlich eingedeckten Saal alles für die Weihnachtsfeier vorbereitet. 52 Hilfsbedürftige aus ganz Hamburg sind gekommen, um sich satt zu essen und auf Weihnachten einzustimmen.
„Wir Helfer sind heute ganz
erpicht darauf, Euch zu
verwöhnen“, sagte Joachim
Meyer in seiner kurzen Ansprache. Er leitet das ökumenische Frühstück für Obdachlose und Bedürftige.
Unter den Gästen ist auch Steffen. „Ich komme täglich zur Frühstücksküche. Ich esse hier, weil es Ende des Monats oft finanziell eng wird. Erst war ich mit meiner Frau obdachlos. Dann hatten wir zusammen eine Wohnung. Nach der Scheidung vor neun Jahren bin ich in der Wohnung geblieben und halte mich kleinen Jobs über Wasser.“
Auch Elke feiert mit. „Seit 1990 komme ich aus Rothenburgsort hierher zum Frühstück. Ich habe zwar eine kleine Wohnung, aber ich habe so wenig Geld, dass ich mir keine neuen Schuhe kaufen kann“, sagt die 50-Jährige und schaut bedauernd auf ihre ausgetretenen Turnschuhe hinab.
Armut, das war auch das zentrale Thema der Weihnachtsansprache von Gemeindereferentin Tina Hoffmann. „Was Glanz und Glamour ist, ist nicht das, was vor Gott zählt. Ein offenes Herz, ein Lächeln, das sind die wirklich wichtigen Gaben. Und die können auch Sie geben“, ermunterte sie die Anwesenden.
Als der Damenchor Neugraben und der Männerchor Weihnachtslieder anstimmen, dauert es nur ein paar Minuten bis viele mitsingen. Die Chöre haben nicht nur Lieder mitgebracht, sondern auch 912 Euro. „Davon wird das Grünkohlessen bezahlt“, sagt Joachim Meyer.
Fast das ganze Jahr über serviert das 24-köpfige Helferteam montags bis freitags Menschen mit schmalem Geldbeutel ab 9.30 Uhr ein deftiges Frühstück. Gegründet wurde das Frühstück vor 27 Jahren von Ehrenamtlichen aus den beiden evangelischen Kirchengemeinden Cornelius und Michaelis sowie der katholischen Kirchengemeinde Heilig Kreuz.
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