Sechs Monate Arbeit für sieben Minuten

In dem Film „Traumschwein gesucht“, macht der Italiener Salvatore allen Frauen schöne Augen. Foto: sl

Im Atelier Freistil arbeiteten 20 künstlerisch begabte, behinderte Menschen an einem Kurzfilm

SABINE LANGNER, HAUSBRUCH
Ein Schwein ohne Mann ist auch nur ein halber Mensch. Ein Traumschwein muss her. Das beschließt zumindest „Butzi“, nachdem sie das Gejammer ihrer Mutter nicht mehr hören kann. Butzi engagiert „Donner Klara“ und lässt sich von ihr und der Dating Agentur „Love Date“die vermeintlich tollsten Kerle vorstellen. Sieben Minuten lang ist der bezaubernde Kurzfilm „Traumschwein gesucht“, der im Atelier Freistil entstanden ist, einer Werkstatt für künstlerisch begabte, behinderte Menschen.
Rund 20 Menschen waren ein halbes Jahr damit beschäftigt, Ideen zu entwickeln, Figuren zu zeichnen, Hintergründe zu malen, Stimmen auf zunehmen und anschließend das Ganze in einem Film zusammen zu scheiden. Die Idee hatte der Künstler Martin Kraft. Der 41-jährige leidet an einer Psychose und arbeitet seit zwei Jahren im Atelier Freistil. „Als ich noch so halbwegs fit für den ersten Arbeitsmarkt war, habe ich mal eine Weile ein Praktikum in einem Trickfilmstudio absolviert“, berichtet Martin Kraft. „Daher wusste ich so halbwegs, wie man einen solchen Film macht. Aber die Idee für die Handlung haben wir alle zusammen entwickelt.“
Alle zusammen, das sind 26 Menschen mit schweren körperlichen und psychischen Behinderungen. Die beiden Einrichtungen Leben mit Behinderung und Elbe Werkstätten haben vor zwei Jahren das Projekt Atelier Freistil ins Leben gerufen. „Die Menschen, die hier arbeiten, machen gleichzeitig eine Ausbildung im Bereich Atelierservice“, sagt Atelierleiterin Bettina Grevel. „Wir versuchen, mit der Kunst Geld zu verdienen, organisieren Ausstellungen und verkaufen Bilder.“
Unterstützt werden die Künstler von fünf Kunstpädagogen und zwei jungen Leuten, die ihr freiwilliges soziales Jahr hier machen. Dazu gehörte bis vor wenigen Wochen auch Lara Noone. Die 20-jährige hat nach dem Abitur ein Jahr lang hier gearbeitet und jetzt ein Studium begonnen. Den Film „Traumschwein gesucht“ hat sie im Rahmen ihrer Jahresprojektarbeit betreut. Jetzt will sie den Film bei einem Wettbewerb einreichen.
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