­Keine „dicke Luft“ in Neugraben

An Hamburger Hauptstraßen sind Abgase die Hauptquellen von Schadstoffen. Vor allem ältere Dieselfahrzeuge pusten viel Dreck raus. Foto: panthermedia

Beim Luftschadstoff Stickstoffdioxid (NO2) werden im
Hamburger Süden die Grenzwerte eingehalten –
aber nicht überall in Mitte und Altona

Carsten Vitt / Ch. v. Savigny,
Hamburg-Süd

Mitten in der Stadt, an der Max-Brauer-Allee oder Stresemannstraße, verpesten Abgase von Autos, Las-tern und Bussen die Luft. Die hier gemessenen Zahlen für das Reizgas Stickstoffdioxid (NO2) überschreiten seit Jahren zuverlässig über die zulässigen Grenzwerte. Im Hamburger Süden ist die Luft dagegen noch in Ordnung. Die von Messstationen in Finkenwerder, Neugraben, Wilhelmsburg und auf der Veddel ermittelten Werte liegen im zulässigen Rahmen.
Hintergrund: Der EU-Grenzwert gibt eine Maximalbelastung von 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft vor. An der Messstation Max-Brauer-Allee wurden 2016 meist zwischen 60 und 73 Mikrogramm NO2 festgestellt. Zum Vergleich die NO2-Ergebnisse der Messstationen im Hamburger Süden (2016, Jahresmittelwert):
- Station Veddel (Am Zollhafen, gegenüber Kita): 35
- Station Wilhelmsburg (Rotenhäuser Damm 78a): 27
- Neugraben (Im Neugrabener Dorf 79/81): 15
- Hafen/Grasbrook (Worthdamm): 34
- Finkenwerder West (Neßkatenweg 1a): 20
- Finkenwerder Airbus (auf dem Airbus-Gelände): 18
In Harburg befindet sich keine Messstation des Luftmessnetzes Hamburg. Laut Umweltbundesamt gilt zum Schutz der Vegetation ein Jahresmittelwert von 30 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft als kritisch. Dieser Wert wird im Hafen, aber auch auf der Veddel überschritten.
„Mehr als 200.000 Hamburgerinnen und Hamburger leben an Straßen, an denen die Stickstoffdioxidbelastung als gesundheitsgefährdend gilt“, kritisiert Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des Umweltverbandes BUND Hamburg. Hauptquelle an belasteten Straßen ist der Verkehr. Aus Sicht des BUND muss dieser daher umweltfreundlicher oder weniger werden. Gefordert werden unter anderem Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen, Durchfahrtsverbote für Dieselfahrzeuge und eine Umweltzone.
Die Stadt hält bisher wenig von diesen Vorschlägen und setzt stattdessen auf mehr
öffentlichen Nahverkehr, Radverkehr und strengere Abgas-standards bei Autos. Mehr Infos unter
❱❱ www.umweltbundesamt.de
❱❱ www.luft.hamburg.de

HINTERGRUND
Stickoxide sind zusammen mit flüchtigen Kohlenwasserstoffen für die sommerliche Ozonbildung verantwortlich. Sie tragen auch zur Feinstaubbelastung bei.
Die giftigen Gase, die beispielsweise in Autoabgasen, insbesondere von Dieselfahrzeugen, enthalten sind, können Asthma, Herz-Kreislauf-Probleme und Diabetes verursachen. Stickstoffdioxid schädigt Pflanzen und führt zur Überdüngung und Versauerung von Böden.
2010 hatte die EU einen Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter Luft festgelegt. In Hamburg wird dieser Wert regelmäßig überschritten. Die Umweltschutzorganisation BUND hat aus diesem Grund im vorigen Jahr Klage gegen die Stadt erhoben – zum zweiten Mal nach 2014.
Die Folge: Hamburg muss seinen Luftreinhalteplan aus dem Jahr 2012 überarbeiten und nachweisen, wie und bis wann die Grenzwerte eingehalten werden können. Details dazu werden im Laufe des Jahres erwartet. OZ/CVS
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