Ihr Brautkleid war aus Fallschirmseide

Am 6. Dezember 1947 heirateten Lisbeth und Gerhardt Feindt. Heute feiern sie ihre Gnadenhochzeit. Repro: ww

Am heutigen Nikolaustag sind Lisbeth und Gerhardt Feindt 70 Jahre verheiratet

W. Wittenburg, NeuenFelde
Als sie 1947 heirateten, wurde Britisch-Indien in die Unabhängigkeit entlassen, und die erste Ausgabe des Magazins „Der Spiegel“ erschien. Nun feiern Lisbeth und Gerhardt Feindt ein besonderes Fest: die Gnadenhochzeit. Am heutigen 6. Dezember sind sie stolze 70 Jahre ein Ehepaar! Romantisch war der Beginn nicht: „Unser Kennenlernen war im Kinosaal im Schützenhof von Jork im Alten Land“, erinnert sich Gerhard (90), aber den Film weiß der gelernte Baumschulgärtner beim besten Willen nicht mehr. Lisbeth (88) entzaubert seine Erinnerung etwas: „Er hat mich von hinten auf die Schulter getippt und gesagt, dass ich ihm im Weg sitze, und er nichts sehen kann. Trotzdem haben wir uns zum Tanzen verabredet.“
Und damit startete die langjährige Liebesgeschichte. Beide heirateten, obwohl Lisbeth Feindt mit ihren 18 Jahren damals noch nicht volljährig war. „Unsere Hochzeit war sehr bescheiden, es gab ja nichts“, sagt Lisbeth. Und Gerhard ergänzt: „Besonders war es trotzdem, denn für Lischens Brautkleid hatte ich Fallschirmseide für 800 Mark vom Schwarzmarkt besorgt und mein Frack war geliehen.“
Die schwerste Zeit ihres Lebens hatten beide da bereits hinter sich: Lisbeth stammt aus der Nähe von Königsberg und Gerhard ist in Borstel geboren und war als Kriegsgefangener in Niederösterreich im Arbeitsdienst. „Mit 14 Jahren bin ich zusammen mit den Eltern und neun Geschwistern aus Ostpreußen geflohen“, erinnert sich Lisbeth Feindt. „Auch, wenn es eine furchtbare Zeit war, so hatten wir doch Glück um Unglück, denn nur weil das Schiff überfüllt gewesen ist, sind wir nicht an Bord der Wilhelm Gustloff gekommen – die mit Tausenden Passagieren in der Ostsee untergegangen ist.“
Bis zur Hofaufgabe 1998 lebten der Obstbauer und die Hausfrau mit ihren fünf Kindern, drei Mädchen und zwei Jungen, dazu eine Pflegetochter, die das Ehepaar im Alter von sieben Jahren spontan aufgenommen hatte, ein beschauliches, ländlich-idyllisches Leben.
Ein Rezept für Eheglück wissen Lisbeth und Gerhard Feindt nicht. „Es gibt keine Garantie, aber Zusammenhalt ist wichtig und in guten und schlechten Zeiten füreinander dasein“, darin ist sich das Ehepaar einig.
Lisbeth Feindt hat von „ihrem“ Gerhard an jedem der bisher 69 Hochzeitstage frische Blumen bekommen. So wird es auch am 70. Hochzeitstag bei der Famlielenfeier der Gnadenhochzeit mit zehn Enkeln und sieben Urenkeln sein.
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