IBA-Planer setzen auf Wohnbau-Mix

Der alte L-förmige Kasernenbau mit einem kleinen Innenhof könnte Büros, ein Seniorenheim oder eine Kita beherbergen. „Hier ist es geradezu idyllisch“, meint IBA-Planerin Karen Pein. (Foto: as)
 
Die IBA-Planer wollen die beiden übrig gebliebenen Kasernengebäude erhalten. (Foto: as)

Das Wochenblatt hat sich mit Stadtplanerin Karen Pein auf dem ehemaligen Gelände der Röttiger Kaserne umgesehen

Anna Sosnowski, Fischbek
Noch gleicht das Gelände der ehemaligen Röttiger Kaserne in Fischbek einer verwilderten Grünanlage. Wo früher Tausende von Soldaten ihren Dienst taten, laufen heute Rehe über die Wiesen. Doch Karen Pein von der Internationalen Bauausstellung (IBA) weiß, wie es hier einmal aussehen könnte. Die Stadtplanerin und ihre Kollegen entwickeln im Auftrag der Senats seit Ende Februar das neue Quartier auf dem 52 Hektar großen Areal. Insgesamt sollen hier 680 Wohneinheiten entstehen – in einem Mix aus 40 Prozent Geschosswohnungsbau, 35 Prozent Reihenhäusern und 25 Prozent Einfamilienhäusern.
Das Gelände habe mit seinen Höhenunterschieden, die natürliche Terrassen bilden, interessante Gestaltungsmöglichkeiten geboten, erzählt Pein. „Es entstehen von vornherein kleine Quartiere. Den Charme wollen wir erhalten“, sagt sie. Dabei werde es in allen nacheinander entstehenden Abschnitten einen Mix an Wohnformen geben. „Ziel ist es mit jedem Bauabschnitt alle Zielgruppen zu erreichen“, sagt Pein. „Jeder soll hier in guter Lage wohnen können.“
Das höchste Plateau ist als Mitte des Quartiers vorgesehen. Liegewiesen und bespielbare Flächen, angeordnet um vier bis zu achtgeschossige Gebäude, sollen das Zentrum bilden. „Dafür wird es einen Architekturwettbewerb geben, bei dem auch die Politik mit eingebunden ist. Hier muss was Schickes mit Wiedererkennungswert hin“, sagt Karen Pein.
Die breite Panzerstraße wird umgebaut und verbindet alle Teile des Wohngebiets. Über sie könnten in beide Richtungen Busse fahren. Und auch die letzten Kasernengebäude an der Cuxhavener Straße wollen die IBA-Planer nicht abreißen lassen, sondern entkernen und umfunktionieren. Die ehemaligen Schlafräume und die Kantine sollen zu Wohnungen umgebaut werden – wie viele Wohneinheiten es hier geben wird, ist noch unklar. Karen Pein: „Die Häuser sind identitätsstiftend für das Quartier.“
Bis sich das seit Jahren in Planung befindende Wohngebiet am Rand der Fischbeker Heide in ein lebendiges Quartier verwandelt, werden noch einige Jahre vergehen. Bevor die Bagger rollen, muss der Boden nach Kampfmitteln untersucht werden. Zurzeit versuche man mit Unterstützung der Feuerwehr einen Großteil der Fläche anhand einer aufwendigen Recherche mit Luftbildern und Akten auszuschließen. Auf diese Weise müssten nur kleine Flächen sondiert und so möglichst wenig Bäume gefällt werden, sagt die Planerin.
Interessierte Investoren gebe es bereits, erste Ortstermine haben stattgefunden. Pein: „Es gibt eine große Nachfrage. Die Leute warten darauf, dass es losgeht“. Mit der Vermarktung wolle man im nächsten Jahr beginnen. Die ersten Häuser könnten frühestens Ende 2015 oder Anfang 2016 bezogen werden, so die Planerin.

Kritik an IBA-Plänen
Für ihre Pläne hat die IBA bei der Harburger Politik nicht nur Zustimmung geerntet. Während die SPD entsprechend ihrem Wohnungsbauprogramm die hohe Anzahl von Wohneinheiten begrüßt, hält die CDU an 450 Wohneinheiten aus vorherigen Planungen fest. Auch die höheren Häuser will die CDU nicht. Fraktionschef Ralf-Deter Fischer befürchtet, dass die IBA durch den Geschosswohnungsbau Probleme bei der Vermarktung bekommen wird. „Niemand wird sein Einfamilienhaus neben sechsgeschossigen Häusern bauen wollen“, sagt er. Zudem fordert seine Partei, dass auf dem Gelände eine Sportanlage gebaut wird, denn die einzige Anlage im Stadtteil am Kiesbarg sei überlastet. Fischer: „Hier wäre sie am einfachsten zu realisieren. Schließlich gibt es vor Ort schon eine Sporthalle, die erhalten werden soll.“
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