Früher Spukhaus, heute Werkstatt

Die Restauratorin Angelika Fischer-Menshausen legt vorsichtig den farbigen Bauschmuck aus den 20er Jahren in der Kapelle frei. Er war mehrmals mit weißer Farbe übermalt worden. Foto:peter kaufner

In der Kapelle auf dem Alten Friedhof hat die Geschichtswerkstatt
Finkenwerder ihr Zuhause

Meier/Istel, Finkenwerder

Die kleine Fritz-Schuhmacher-Kapelle auf dem alten Friedhof war vor der Renovierung vor allem bei Kindern und Jugendlichen als Gruselort für Mutproben bekannt. Seit ein paar Monaten erstrahlt die Kapelle in neuem Glanz. Peter und Helmke Kaufner von der Finkenwerder Geschichtswerkstatt waren die führenden Köpfe hinter der Renovierung.
„Eigentlich sollte die Kapelle abgerissen werden. Doch ich habe schon lange vermutet, dass sich hinter dem verfallenen Gebäude die Kapelle von Fritz Schuhmacher verbirgt. Deswegen haben wir im Staatsarchiv die alten Baupläne herausgesucht, um das Denkmal zu erhalten“, klärt Helmke Kaufner auf. Die Renovierung zahlte das Bezirksamt Mitte.
Sie und ihr Mann Peter sind die Initiatoren der Geschichtswerkstatt Finkenwerder. Schon seit den 60er Jahren gehören sie zu der damaligen Arbeitsgruppe, die zur Aufklärung der Nazi-Vergangenheit Finkenwerders gegründet wurde. Umso tiefer sie in Finkenwerders Geschichte eindrangen, desto klarer wurde für sie, dass nichts dem Vergessen anheim gegeben werden darf.
Es ist kein Geld
für einen Mitarbeiter da
„Während unserer Arbeit sind immer mehr Menschen und Familien zu uns gekommen, die von ihrer Familiengeschichte erzählt haben, die zuvor im Dunkeln gelassen wurde. Gerade in Finkenwerder wird vieles aus der Vergangenheit verschwiegen, doch wir dürfen unsere Geschichte nicht vergessen", sagt Helmke Kaufner.
Um der Erinnerung einen Ort zu geben, zog die Geschichtswerkstatt in die Fritz-Schuhmacher-Kapelle ein: „Auf dem alten Friedhof können wir einen Lernort schaffen, an dem besonders Kinder und Jugendliche ein Gechichtsverständnis entwickeln können“, erzählt Peter Kaufner stolz. Die Geschichtwerkstatt kooperiert mit allen Schulen auf Finkenwerder.
Im vergangenen Jahr kamen insgesamt 700 Besucher in die Kapelle, um sich über die Geschichte der ehemaligen Elbinsel zu informieren.
Mittlerweile gibt es auch eine Bibliothek. 150 Titel können in der Kapelle zu den Öffnungszeiten eingesehen werden. „Auch der farbige Bauschmuck von 1927 ist mit Fördermitteln der Stiftung Denkmalpflege Hamburg freigelegt und kann bewundert werden“, lädt Peter Kaufner zu einem Besuch ein.
Momentan bestreiten die engagierten Finkenwerder die Geschichtswerkstatt allein. „Unsere Arbeit ist ehrenamtlich. Bei großen Projekten unterstützen uns Freunde und Bekannte. Natürlich würde uns ein fester Mitarbeiter viel Arbeit abnehmen, aber dafür fehlt uns leider das Geld.“ Für die Nutzung der Kapelle zahlen beide eine Gebühr von 40 Euro im Jahr, die Miete übernimmt das Bezirksamt
Mitte.

Geschichtswerkstatt Finkenwerder

Fritz-Schuhmacher-Kapelle
Alter Friedhof Finkenwerder
Norderkirchenweg
S 742 79 92
Öffnungszeiten:
di und do, 15 bis 18 Uhr

Stadtteilführungen zur Geschichte Finkenwerders auf Anfrage
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