Ein Bauernhof nur für Kinder

Gruppenbild mit Ziegen und Puter „Cäsar“: Gerd Horn hat die Geschicke des „KiBaHo“ von Anfang an mitbestimmt. Foto: cvs

Kibaho wird 30 Jahre alt – Große Geburtstagsparty am 19./20. August

Ch.v.Savigny, Wilhelmsburg
Zu Beginn gab es lediglich ein paar Hühner und Kaninchen, außerdem eine Ziege. Genau 20 Tiere bildeten damals den Grundstock für den Wilhelmsburger Kinderbauernhof. Vor 30 Jahren war der Verein Kinderbauernhof auf Betreiben einer Elterninitiative auf einer Brachfläche am Stübenhofer Weg gegründet worden. „Die Idee war, dass man den Hochhaus-Kindern die Möglichkeit bietet, Natur und Landleben hautnah zu erleben“, erzählt Leiter und Gründungsmitglied Gerd Horn (63). Im August feiert die Einrichtung ihren 30. Geburtstag.Aus 20 Tieren sind mittlerweile rund 200 geworden: In den zahlreichen selbstgebauten Ställen des Kinderbauernhofs tummeln sich Schafe, Ziegen, Kaninchen, Meerschweinchen und Farbmäuse, Hühner, Gänse und Truthennen. Täglich können Kinder und ihre Eltern zum Gucken, Füttern und Streicheln vorbeikommen. Der Eintritt kostet nichts, damit sich auch Kinder aus sozial schwächeren  Schichten das Kommen leisten können. „Wir haben von Beginn an kein Geld genommen, und das ist bis heute so geblieben“, sagt Horn. Lediglich für Kindergeburtstage (inklusive Geburtstagsessen, Disco und „Heubodenspringen“) wird ein Beitrag erhoben.Star und Maskottchen des Bauernhofs war lange Zeit das Schwein „Schnitzel“, das 2012 im Alter von etwa 16 Jahren verstarb. Nachdem inzwischen auch das Nachfolgeschwein das Zeitliche gesegnet hat, wurden ersatzweise zwei „Mikro-Schweine“ angeschafft, die zwar weniger Auslauf benötigen, aber dafür recht quietschfidel um die Besucher herumwuseln. Weiterhin konnten Dank einer – einmaligen – Zuwendung der Baubehörde drei Ponys angeschafft werden. Zu den Exoten auf dem Kinderbauernhof zählen Schlangen und Bartagame. Fast alle Tiere wurden abgegeben oder einfach vor der Tür abgestellt – offenbar, weil der Halter nicht mehr damit zurechtkam.Füttern und Streicheln verursachen laut Horn Glücksgefühle. „Heute morgen hatte ich 50 Kinder aus der Stadtteilschule Kirchdorf hier. Es war ein Tohuwabohu ohne Ende.“ Nachdem die Klasse bei den Ziegen gewesen sei, habe sich die Lage merklich entspannt. Das berichtet auch Navid Wahab aus Kirchdorf, der mit seinen Söhnen Nero (6) und Vito (4) zu Besuch ist. „Sie gewöhnen sich daran, keine Angst mehr vor den Tieren zu haben und werden selbstbewusster,“ sagt er.“Zurzeit hat der Kinderbauernhof 18 Mitarbeiter. Fünf von ihnen – dazu gehört Leiter Gerd Horn – haben Minijobs, die über die Sozialbehörde finanziert werden. Das Unterstützungsprogramm läuft seit drei Jahren. Der Rest der Helfer arbeitet ehrenamtlich. „Im Moment läuft es gut, aber wir müssen immer ordentlich trommeln“, sagt Horn.Vor rund sechs Jahren sah die Lage noch ganz anders aus: Damals hatte das Bundessozialministerium bei den Euro-Jobs radikal den Rotstift angesetzt. Die Folge: Dem „KiBaHo“ wurden sämtliche Stellen (damals knapp 20) gestrichen. Nur sehr langsam kam die Einrichtung wieder auf die Beine.Geldsorgen hat Horn trotz alledem: „Die Gebäude sind teils 30 Jahre alt und zerfallen. Es muss dringend etwas passieren“, sagt er. Die Brücke über die Wettern sei morsch geworden, die Werkstatt inzwischen stark sanierungsbedürftig. „Ohne öffentliche Gelder geht das nicht“, so Horn.Möglicherweise wird irgendwann seine Tochter das Ruder im „KiBaHo“ übernehmen. „Ich will, dass der Kinderbauernhof über meine Lebenszeit hinaus Bestand hat“, sagt Horn. In Rente gehen kommt für ihn allerdings „nicht in Frage.“ 
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