Dunkle Geheimnisse: Mord und Lagerleben

Helmke Kaufner (l.) und Ingeborg Luth erläutern Schülern in der Nähe des Mahnmals im Rüschwinkel, was unter dem nationalsozialistischen Regime im Zweiten Weltkrieg in Finkenwerder passierte. (Foto: pr)

Der Arbeitskreis Außenlager Deutsche Werft erforscht die NS-Vergangenheit Finkenwerders

von Karin Istel, Finkenwerder

Die beiden Frauen sind genau den Geheimnissen auf der Spur, die in Finkenwerder oft verschwiegen werden: die Geschichte der Opfer des nationalsozialistischen Regimes (NS-Regime) im Zweiten Weltkrieg. Helmke Kaufner und Ingeborg Luth engagieren sich gemeinsam mit wechselnden Mitstreitern, damit das Schicksal der Finkenwerder NS-Verfolgten nicht in Vergessenheit gerät.
Wer sind die beiden Frauen?
Die Finkenwerderinnen Helmke Kaufner und Ingeborg Luth. Sie sind aktiv im Finkenwerder Arbeitskreis Außenlager Deutsche Werft des KZ-Neuengamme. Gegründet wurde er im Frühjahr 1997. Gründungsmitglied war auch Pastorin Hannegret Riepkes.
Warum ist der Name so lang?
Helmke Kaufner: „Wie unser Name schon sagt, gab es hier ein Außenlager des KZ Neuengamme. Finkenwerder war ein Rüstungsstandort. Da der Name wirklich sperrig ist, haben wir uns in Finkenwerder Geschichtswerkstatt umbenannt. Bei der Erforschung der NS-Geschichte beschränken wir uns auf Finkenwerder. So erforschen wir die Geschichte der verfehmten Künstler, der Euthanasieopfer und der Menschen, die aufgrund ihrer religiösen Überzeugung umgebracht wurden. Die Chronisten verschweigen diese Zeit lautstark.“
Was tut der Arbeitskreis?
Die Frauen befragen Zeitzeugen, so lange diese noch leben. Sie veranstalten Führungen durch den Ort für Schüler und Erwachsene, zeigen beispielsweise die Ruine des U-Boot-Bunkers im Hafen und erklären seine Bedeutung. Kurz: Sie erhalten die Erinnerung an die NS-Opfer lebendig.
Gibt es neue Projekte?
Ingeborg Luth: „Wir machen eine Broschüre zum 20. Jahrestag des Mahnmals am Rüschwinkel. Es wurde im Dezember 1996 eingeweiht. Unser Arbeitskreis gründete sich ja kurz darauf. In der Broschüre wird es Zeitzeugenberichte und von uns erarbeitete Themen geben.“
Außerdem möchte der Arbeitskreis die Kapelle auf dem alten Finkenwerder Friedhof als außerschulischen Lernort mit einerAusstellung und einem Erzählcafé herrichten. Kaufner: „So etwas fehlt hier. Der Friedhof ist ein besonderer Ort: Hier liegen Opfer und Täter friedlich nebeneinander.“
Kontakt: Helmke Kaufner, Geschichtswerkstatt Finkenwerder, Tel. 742 79 92.


Gedenken an die Progromnacht
Sonntag, 9. November
15 Uhr: Kranzniederlegung am Mahnmal, Ecke Rüschwinkel/Neßpriel
16 Uhr: Treffen mit Vortrag „Auf dieser schiefen Ebene gibt es kein Halten mehr! Euthanasie im Dritten Reich“ Gemeindehaus der St. Nikolaikirche, Finkenwerder Landscheideweg 157
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