Die Retter kamen per Boot

Vor 55 Jahren brachen bei der Sturmflut in der Nacht
vom 16. auf den 17. Februar die Deiche

Karin Istel, Süderelbe

Die Nacht vom16. auf den 17. Februar 1962 ist den Süderelbern noch immer gut im Gedächtnis: Nach einem tagelangen Sturm brachen in dieser Nacht gegen Mitternacht die ersten Deiche im Süden Hamburgs. 340 Menschen starben in den hereinbrechenden Fluten, 42 von ihnen in Waltershof. Nach der Flut wurden Waltershof und die Dradenau nach und nach als Siedlungsgebiet aufgegeben, Industrie wurde angesiedelt. Doch die Erinnerung an den alten Stadtteil lebt weiter. Jetzt treffen sich ehemalige Waltershofer.

Was passierte in der Nacht der Sturmflut?
Am 16. Februar gegen Mitternacht hielten die viel zu schwachen Deiche nicht mehr und brachen an rund 60 Stellen. Bei dem ersten folgenschweren Bruch um 0.15 Uhr im Neuenfelder Rosengarten ertranken acht Menschen. Danach ging es Schlag auf Schlag. In Cranz gab der Elbdeich am Ortsausgang Richtung Borstel nach.
In Finkenwerder brachen die Deiche gleich an sechs Stellen. In Neuenfelde brachen ab 2.15 Uhr mehrere Deiche an der Hasselwerder Straße, wo damals die Hauptdeichlinie verlief. Neben Bundt’s Gartenrestaurant wurden zwei Häuser weggerissen. Nur die Kirche blieb trocken, weil sie auf einer Anhöhe steht. Dorthin retteten sich Menschen und Vieh. Dennoch kamen acht Menschen ums Leben.
In Francop gab es mehrere Deichbrüche entlang der Hohenwischer Straße. Jutta Dierks und ihre Familie konnten nur per Hubschrauber vor dem Ertrinken gerettet werden. Zwei andere Menschen in Francop kamen jedoch ums Leben.
Schwer hatte es auch den kleinen Ort Rübke getroffen, der komplett überflutet war. Hier standen die Häuser bis zum Dach im Wasser. Tote hat es dort aber zum Glück nicht gegeben.
Ganz anders in Moorburg, wo ab 1.45 Uhr die Deiche brachen und neun Menschen ertranken, darunter eine junge Mutter und ihre beiden Kinder. Auch Altenwerder wurde total überflutet – mit Ausnahme der Kirchenwarft, die ein wenig höher lag.

Gibt es ein Gedenktreffen?
Ja. Am Sonnabend, 18. Februar, werden sich die Bewohner der einstigen Stadtteile Waltershof/Dradenau um 11 Uhr im Seemannsclub Duckdalben treffen.

Detlef Baade und Johannes Tönnies vom Arbeitskreis Flutdenkmal organisierten das Treffen. Tönnies, der ehemalige Postbote in Waltershof, wird anschließend aus seinem Buch „Waltershof 1943 bis 1962“ lesen. „Ich habe mich geärgert, dass im Zusammenhang mit der großen Flut immer nur Wilhelemsburg erwähnt wird. Da habe ich ein Buch über die Flut und ihre Opfer in Waltershof geschrieben“, so Tönnies.
Um 15 Uhr wird Pastor im Ruhestand Hans A. Gerdts an der Wellenwand in Francop einen Kranz niederlegen. Johannes Tönnies, der die Katastrophe überlebte, wird die Namen der Flutopfer aus Süderelbe verlesen.

Gemeinschaft ehemaliger Waltershofer / Dradenauer
Sonnabend, 18. Februar
ab 11 Uhr
Seemen´s Club Duckdalben
Zellmannstraße 16

Kontakt: Johannes Tönnies
Tel. 0177 – 799 13 48
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.