Bald salzige Äpfel?

Der Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Klein warnt vor einer Versalzung der Elbe-Nebenflüsse. Foto: mag

Elbvertiefung: Grüne warnen vor Versalzung der Nebenflüsse

von MARION GÖHRING, FRANCOP

Müssen wir uns alle daran gewöhnen, dass das Obst aus dem Alten Land künftig salzig schmeckt? Vermutlich ist das ein wenig übertrieben, Gegner der geplanten Elbvertiefung waren aber davor, dass sich die
Salzwassergrenze immer weiter flussaufwärts schiebt und das Meersalz auch in die Nebenflüsse eindringt. Deren Wasser könne dann nicht mehr zur Frostschutzberegnung verwendet werden, wenn man die Qualität des Obstes erhalten will.
Die Warnungen scheinen nicht völlig aus der Luft gegriffen zu sein. „Schon bei der letzten Elbvertiefung vor zehn Jahren hatte es danach einen Anstieg des Salzgehalts gegeben“, sagt Hans-Jürgen Klein, finanzpolitischer Sprecher der Grünen im niedersächsischen Landtag. In diesem Sommer seien sogar die Grenzwerte für den Salzgehalt übertroffen worden.
Auch CDU-Politiker nehmen die mögliche Gefährdung des Obstbaus ernst. So hatte der niedersächsische Landwirtschaftsminister Gert Lindemann im Frühjahr auf den Norddeutschen Obstbautagen in Jork versichert, Hannover werde der Elbvertiefung nur zustimmen, wenn zum einen die Deichsicherheit gewährleistet sei, zum anderen die Versorgung der Obstbauern mit sauberem Wasser sichergestellt sei.
Immerhin brauchen die Landwirte im Extremfall täglich rund zwei Millionen Kubikmeter Frischwasser – im Frühjahr für die Frostschutzberegnung, im Sommer für die Bewässerung. Für Lindemann ist der Fall klar: Da Hamburg von der Elbvertiefung profitiere, müsse Hamburg auch die Folgekosten übernehmen und die
Frischwasserversorgung für die Obstbauern finanzieren. Wieviel Geld dafür aufgebracht werden muss, kann zurzeit nur geschätzt werden. Im Umlauf sind Zahlen zwischen 25 und 150 Millionen Euro. Hans-Jürgen Klein: „Diese Summen muss man noch zu den bis zu 600 Millionen Euro dazurechnen, die allein die Vertiefung der Fahrrinne kosten würde. Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass dieses ökologisch unverantwortlich und auch noch wirtschaftlich fragwürdig ist.“
Die Gegner der Elbvertiefung setzen jetzt auf eine erneute Expertenanhörung. Die hat der niedersächsische Landtag gerade beschlossen.
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