Gäste bleiben wegen der Flüchtlinge weg

Michael Förstermann ist traurig: Seit drei Jahren bewirtschaftet er mit seiner Frau Heidi das GastHuus auf dem Schwarzenberg - jetzt weiß er nicht mehr, wie es weitergeht. (Foto: sl)

GastHuus-Wirt Michael Förstermann kämpft ums Überleben

Sabine Langner, Harburg – Traurig schaut Michael Förstermann durch sein GastHuus. Ende 2012 haben er und seine Frau Heidi voller Elan als Pächter das ehemalige Gildehaus auf dem Schwarzenberg übernommen. Gute regionale Küche steht auf der Speisekarte. „Wir waren auf dem richtigen Weg“, sagt der 53-jährige Gastronom. „Jedes Jahr hatten wir eine steigende Tendenz, aber nun weiß ich nicht mehr wie es weiter gehen soll.“ Familie Förstermann fehlen die Gäste. „Seitdem das Flüchtlingslager direkt vor unserer Haustür aufgebaut wurde, haben wir erhebliche Umsatzeinbußen“, klagt Förstermann.
Dabei legt er großen Wert darauf, dass er persönlich absolut nichts gegen die Menschen in dem Lager hat. „Hier war es noch nie so sicher wie im Moment. Und die Menschen machen ja auch nichts. Sie sitzen im Park und telefonieren.“
Gerade ältere Menschen hätten aber Angst, den Weg durch die Flüchtlinge zum GastHuus zu gehen. Das bestätigt auch eine Spaziergängerin, die ihren Namen nicht nennen will. „Ich bin noch nie angesprochen worden von den Flüchtlingen, aber es macht mir ein mulmiges Gefühl, mitten durch die Menschenmengen zu gehen und angestarrt zu werden. Zumal man ja auch hört, dass hier dauernd die Polizei für Ordnung sorgen muss.“

Die Gäste werden auch von der Bushaltestelle abgeholt

Das scheint allerdings ein rein subjektives Gefühl zu sein. Tatsächlich gab es bisher nur einen großen Polizeieinsatz auf dem Schwarzenberg, der durch eine Prügelei unter Bewohnern ausgelöst wurde. „Es ist in den Köpfen drin“, klagt Michael Förstermann. „Da kann ich noch so viel reden und anbieten, dass ich meine Gäste auch von der Bushaltestelle abholen würde.
Nur von der Harburger Schützengilde allein kann die Familie Förstermann nicht leben, zumal das große Vogelschießen in diesem Jahr nicht auf dem Schwarzenberg, sondern auf dem Rat-hausplatz gefeiert wurde.
Die Gilde selber hat auch keine Lösung für den Pächter ihres Hauses. „Wir sind immer in engem Kontakt mit unserem Pächter und kommunizieren regelmäßig über die Entwicklung vor Ort“, sagt der Erste Patron, Dr. Enno Stöver. „Dadurch sind wir uns durchaus der schwierigen Situation bewusst und arbeiten zusammen mit unserem Pächter an Lösungen mit dem Ziel, dass das GastHuus mit Familie Förstermann als Pächter offen bleibt.“
Wie lange das noch funktioniert, steht jedoch in den Sternen.
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3 Kommentare
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Petra Weinstein aus Harburg | 22.07.2015 | 22:13  
1.081
Norbert Schacht aus Harburg | 25.07.2015 | 11:38  
6
Buck Rogers aus Harburg | 25.07.2015 | 12:49  
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