Nazi-Gruß und Flaschen-Wurf: Trainer fliegen raus

Gut gelaunt klönte Ralph Kainzberger vor Kurzem noch mit jungen AFC-Fans. Vor wenigen Tagen sorgte der Coach der zweiten Mannschaft aber mit einer unüberlegten Aktion für seinen Rauswurf. Foto: rp

„Sieg Heil!“ bei Fußball-Pressekonferenz: Teutonia 05 trennt sich von Teammanager Bert Ehm – AFC II-Coach Ralph Kainzberger muss nach gedankenloser Jubel-Aktion gehen

Rainer Ponik, Hamburg-West
Er zählt zu den erfolgreichsten Trainern der Hamburger Amateurfußballszene – und sorgte jetzt für eine Riesen-Skandal: Bert Ehm. Doch vor einigen Tagen sah sich der FC Teutonia 05 gezwungen, sich von seinem Teammanager zu trennen. Ehm hatte sich am Ende der Pressekonferenz nach dem Pokalspiel in Dassendorf mit einem „Sieg heil!“ von den anwesenden Journalisten verabschiedet.

Distanzierung von Rassismus und NS-Gedankengut

Was dem in Hamburgs Fußballgemeinde beliebten 70-Jährigen wie er selbst sagte „aus einer guten Laune heraus herausrutschte“, sorgte ein paar Tage später in Hamburgs Tageszeitungen für Schlagzeilen. „Nazi-Skandal um Fünftliga-Manager“ titelte beispielsweise die Bild-Zeitung. Der FC Teutonia reagierte schnell und erklärte Bert Ehm im Verlauf einer eilig einberufenen Pressekonferenz für beurlaubt. Wenig später gab der Verein die endgültige Trennung bekannt.„Der Vorstand des FC Teutonia, seine Spieler, Trainer und Betreuer, sein ganzes Team, sowie alle Fördere rund Sponsoren distanzieren sich auf das Schärfste von Rassismus, Faschismus und nationalsozialistischem Gedankengut“, ließ der Verein verkünden. Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken fielen dagegen unterschiedlich aus. „Er hat – warum auch immer - diesen Fehler gemacht, trägt die Konsequenzen und zeigt Reue; man sollte ihm verzeihen“, meint beispielsweise User „Achtzehnhundertsebenundachtzig“. „Einem normal denkenden Menschen mit NS-Zuneigung rutscht sowas nicht über die Lippen“, meint „Willi 1887“.
Auch der benachbarte AFC gab in der letzten Woche eine Trennung bekannt: Altona gab Trainer Ralph Kainzberger, der mit der 2. Herren im Sommer in die Bezirksliga aufgestiegen war, den Laufpass.

„Es tut mir unendlich leid. Das war eine saublöde Aktion“

Kainzberger hatte sich in der Partie gegen Buchholz 08 II so überschwänglich über den Ausgleich in der Nachspielzeit gefreut, dass er eine Flasche auf das Spielfeld warf. Dumm nur, dass sie Schiedsrichter Mert Görül traf, der die Begegnung daraufhin abbrach. „Es tut mir unendlich leid. Das war eine saublöde (Jubel-)Aktion“, ärgerte sich Ralph Kainzberger über sich selbst. Den sofortigen Rauswurf konnte er sich dadurch aber nicht mehr ersparen. Dieser sei, so Sprecher Andreas Sude (siehe auch Infokasten), „seiner Vorbildfunktion gegenüber den Spielern wie auch der Funktion als Repräsentant des Vereins schädigend nicht nachgekommen“.


AFC: „Vorbildfunktion nicht nachgekommen“
Auf Anfrage erklärt AFC-Pressesprecher Andreas Sude zu den Gründen der Entlassung Ralph Kainzbergers und zur Zukunft des Bezirksligateams:
„Altona 93 hat sich von Herrn Kainzberger getrennt, weil dieser als Trainer unserer U23 seiner Vorbildfunktion gegenüber den Spielern wie auch der Funktion als Repräsentant des Vereins schädigend nicht nachgekommen ist. Die Mannschaft wird zunächst bis zur Winterpause kommissarisch vom Trainer unserer A-Jugend-Verbandsliga, Heiko Knispel, übernommen. Heiko kennt die Jungs, weil er bis dato gelegentlich selbst dort spielte. Zudem ist er ein ideales Bindeglied zur A-Jugend.“
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