Zusammenleben wie in einer Familie

WG-Koordinatorin Gundula Grimm (re.) mit Ingrid, die bei der Zubereitung des Mittagessens hilft. (Foto: tp)

Gut aufgehoben in der Wohngemeinschaft: Trotz Demenz das Leben selbst gestalten

Von Thomas Pöhlsen

„Wir bieten eine Gemeinschaft", erklärt Gundula Grimm. Demenzkranke können wie in einer Familie zusammenleben. Acht Menschen haben in einer betreuten Wohngemeinschaft der Hartwig-Hesse-Stiftung in Rissen die Möglichkeit auf ein weitgehend selbstbestimmtes Leben. Für Gundula Grimm, die Koordinatorin der WG, ist es „die Wohnform der Zukunft" für demente Menschen.

Die eigenen Möbel können mitgebracht werden
Die jüngste Bewohnerin ist 56 Jahre alt, die älteste wird demnächst 90. Vorausetzung zur Aufnahme ist die ärzliche Diagnose Demenz. Jeder hat sein eigenes Zimmer. Sie sind zwischen zwölf und 18 Quadratmeter groß. Die eigenen Möbel bringt man mit. Es gibt einen Essensraum neben der großen Küche sowie ein gemeinsames Wohnzimmer. Bei der Gestaltung wurde auf Helligkeit, Offenheit und warme Farben geachtet. Je nach Pflegestufe, Bedürftigkeit und gebuchten Leistungen müssen zwischen 1.400 und 3.000 Euro pro Monat von den Angehörigen aufgebracht werden. Es gibt aber auch Bewohner, deren Verwandte nicht in der Lage waren dies zu übernehmen. Dann zahlte das Sozialamt die Betreuung, berichtet Gundula Grimm.

Angehörige werden in die Arbeit eingebunden
20 Mitarbeiter kümmern sich in Voll- und Teilzeit um die Bewohner. Das geht von den Betreuungskräften und Hauswirtschaftern über den Bufdi (Bundesfreiwilligendienst-Mitarbeiter) und Azubi bis zur Aushilfe und zur Nachtwache. Durch den hohen Betreuungsschlüssel kann mehr Zeit für jeden Bewohner aufgebracht werden. „Aktivierende Pflege" lautet hier das Zauberwort. Wenn die dementen Menschen dazu in der Lage sind, helfen sie mit, etwa beim Kochen. Die WG-Koordinatorin hat ein Netzwerk aufgebaut sodass Ärzte, Therapeuten, der Friseur und die Fußpflege ins Haus kommen.
Auch die Angehörigen werden in die Arbeit eingebunden und übernehmen Aufgaben. So kümmern sie sich um die Technik, bepflanzen Garten und Balkon oder ersetzen ein Elektrogerät, wenn es kaputt gegangen ist.
WGs für demente Menschen werden derzeit immer beliebter: Die Einrichtung in Rissen gibt es schon seit sechs Jahren, drei weitere der Hartwig-Hesse-Stiftung sind seitdem hinzu gekommen. Im Frühjahr soll die fünfte Gemeinschaft folgen.
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