„Wir sind zum Showroom für Amazon geworden!“

„Ohne einheitliche Einkaufspreise kriegen wir das Problem nicht in den Griff“, sagt Besitzer Armin Thorn. (Foto: cvs)

Seit drei Jahren nur noch Verluste: Kult-Kaufhaus „1000 Töpfe“ schließt Ende Januar

von Ch. v. Savigny, Bahrenfeld - Am ersten Verkaufswochenende nach Bekanntgabe der bevorstehenden Schließung steht 1000-Töpfe-Inhaber Armin Thorn persönlich im Eingangsbereich seines Geschäfts, guckt sich den Betrieb an und plauscht mit Kunden und Mitarbeitern. „Ganz schön viel los heute“, sagt er. Es bleibt die einzige gute Nachricht für das Hamburger Traditionsgeschäft an diesem Tag: Ende Januar muss das Unternehmen seine Pforten endgültig dicht machen.
Dieser Schritt sei nötig geworden, nachdem aufgrund der „sich verschärfenden Margenprobleme“ im Jahr 2012 im dritten Jahr in Folge Verluste aufgelaufen seien, heißt es in einer Pressemitteilung. Mit anderen Worten: 1000 Töpfe kann der Konkurrenz nicht mehr die Stirn bieten. Die Konkurrenz ist das Internet – gegen dessen Preise kein Händler in ganz Hamburg ankommt.
Armin Thorn ist sauer auf den Internethandel, auf die Kunden, die in seinen Laden kommen, sich beraten lassen – und wieder nach Hause zu gehen, um das Produkt billig online zu bestellen. „Wir sind zum Showroom für Amazon geworden“, ärgert er sich. Dagegen sei im Prinzip nichts zu machen. „Solange es für bestimmte Produkte keine einheitliche Einkaufspreise gibt, kann unser Ladenkonzept nicht funktionieren“, sagt Thorn. Bis dahin werde das Ladensterben weitergehen.
1949, vier Jahre nach Kriegs-ende, hatte Helmut Kertscher, Schwiegervater des heutigen Besitzers, das Unternehmen gegründet. In einem ausgedienten Güterwagen in der Langen Reihe verkaufte er aus Flugzeugblech gepresste Kochtöpfe – der Name „1000 Töpfe“ war geboren“. Als eines der ersten Geschäfte deutschlandweit bot die Firma in den 1970ern Baumarktartikel an. Zehn Jahre später folgte der Ausbau der Fotografieabteilung. Die beiden verbliebenen Fotofilialen in der Langen Reihe und in der Spitaler Straße werden jetzt ebenfalls geschlossen.
Das Haus soll ordnungsgemäß abgewickelt, alle Verpflichtungen gegenüber den 107 Mitarbeitern erfüllt werden. Im Anschluss an das Weihnachtsgeschäft ist ein Räumungsverkauf geplant, Ende Januar gehen die Türen bei 1000 Töpfe für immer zu.
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